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Anton Kuh - Biographie
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298 Aber auch »kleinere Geister« und sogenannte »kleine Leute« der »enter’n Gründ’«: Ferdinand Sauter, »Christopher Marlowe in Heuri- gen-Format«24; der »Betteldichter« Otfried Krzyzanowski;25 Friedrich Stumpf, »heiligster aller Würstelmänner, der Sie durch Ihre milden Gaben des Dichters Krzyzanowski Leben verlängerten und uns alle durch Kriegskredite über Wasser hielten«;26 Mendel Singer, Nestor der Parlamentsberichterstatter und Freund hochmögender Herren, dessen »jüdischer Familiensinn der Born unschätzbarer schwarzgelber Staats- räson« war.27 Kuh läßt Typen wie den Prater-Ausrufer, das k. k. Ballettmädel, das Schlieferl und den Heurigen-Besucher aufmarschieren (von letzterem diverse Varietäten). Präsentiert ein Objekt, das in einem Museum »Alt- österreich« keinesfalls fehlen dürfe, das letzte Hofauto des letzten Kaisers nämlich, als »Sinnbild einer Jahrtausendgeschichte von netter Umgänglichkeit«: Kaiser Karl I. stellt dem kranken Victor Adler sein Auto nicht nur zur Fahrt von Schönbrunn ins Ministerium des Äußeren und wieder retour zur Verfügung, sondern auch, damit dieser seinen eben begnadigten und aus der Haft entlassenen Sohn Friedrich, den Mörder des Grafen Stürgkh, Ministerpräsident unter Franz Josef I., vom Bahnhof abholen kann.28 Das alte Österreich erscheint Kuh als ein »Takt-Staat«, wo »ein unausgesprochener Vertrag« bestand, »nichts auf die Spitze zu treiben, Kanten auszuweichen«, hier waltete eine »Welt der Nuancen, wo es auf die tausend Brechungen des Menschlichen und nicht auf das sture Grad oder Ungrad der Gesinnung ankommt«.29 Wohliger Sentimentalität ist die unmittelbar auf »Das Hofauto« fol- gende Episode vor, die abgründige, schaurige Geschichte vom Land- sturmmann Josef Kleinbichler vor der militärärztlichen Konstatie- rungskommission.30 Und neben den schwelgerischen Hymnen auf die Unsterblichen stehen ohnehin die um nichts weniger gut getroffenen Porträts der Unausrottbaren. Jener »oberen Hundert« zum Beispiel, die »sich in den Rentengenuß aus der G. m. b. H. ›Österreich‹ teilten« und die sich im Frühjahr 1919 auf »ihre geliebte Schutzinsel am Kohl- markt, genannt Konditorei Demel«, flüchten.31 Und der dortigen Servierdamen, »noch immer freundlich, ehrbar und würdig wie Schwestern eines adeligen Damenstiftes«, beglückt von den »Annehmlichkeiten des Dienens und Dankens« und für das »Jovialitäts- trinkgeld aus gräflichem Munde« stets mit einem »Hihihi« zu Diensten. Oder des in der Werktagskluft umgänglichen und jovialen böhmisch- stämmigen kleinen Hoteliers, der, sobald er im Sonntagsstaat als Schöffe amtiert  – »volle Scherfe«!  –, einen Lehrbuben wegen Fahrraddiebstahls zu sechs Jahren schweren Kerkers »mit Fasttag alle drei Monat« ver-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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