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donnert: »Na ja, als Mensch hätt’ i ihn ja laufen lassen, den Trottel –
aber als Scheffe???«32
Mag Kuh auch im »Unsterblichen Österreicher« keine bündige
Definition »des Österreichischen« liefern, sondern es mit den fünfzig
Porträts, Szenen und Dramoletten bloß umkreisen
– so wie er sich trotz
seines unvergleichlichen Händchens für definitorische Konzentrate wei-
gert, Peter Altenberg, einen der Unsterblichen, »auf den Punkt« zu
bringen, sondern versucht, sich ihm mit einem Pasticcio von »Paralego-
mena« anzunähern –, liefert er doch, immer wenn er sich mit dem
Thema beschäftigt, Bausteine zum Verständnis des »dahingegangenen
Jahrtausend-Reiches […], wo Leichtfertigkeit, Humanität, Irrsinn,
Formfreude, Güte, Katakombendüster und Wiesenlicht zu einer viel-
farbigen Einheit zusammenwuchsen«.33 Das »Selbstfrotzlerische« ge-
höre unabdingbar dazu, eine »demutsvolle Kaustik«, die Kuh in seinen
einleitenden Worten zu einem »Österreichischen Abend« im Berliner
Rundfunk Ende 1927 »wesentlich österreichischen« Autoren attestiert,
denen er zudem noch folgende Qualitäten nachrühmt: »die listige Über-
legenheit des Herzens über das Hirn, die vorurteilslose Art, Menschen
und Menschliches zu sehen, vor allem aber die herzerfrischende Un-
fähigkeit zum Pathos, alle diese Qualitäten, sie entstammen dem Mangel
an bewußter Nationalgesinnung.«34
Daß es Anton Kuh mit seiner Porträtgalerie darum zu tun ist, »dem«
Altösterreicher ein »unerbittlich verehrungsvolles Denkmal der Liebe«
zu setzen,35 ist für alle Rezensenten, abgesehen von jenen des »Pester
Lloyd« und der »Reichspost«, unverkennbar. Und sie rühmen’s ihm
auch alle nach: Valeriu Marcu in den »Münchner Neuesten Nachrich-
ten«36, Franz Blei in der »Literarischen Welt«37, Ludwig Winder in der
»Bohemia«38, Otto Pick in der »Prager Presse«39, Ludwig Ullmann in
der »Wiener Allgemeinen Zeitung«40, Richard Wiener im »Quer-
schnitt«41, Michael Walter in der »Jüdischen Rundschau«42, Hermann
Sinsheimer im »Berliner Tageblatt«43, Robert Neumann in der »Litera-
tur«44, ein »R. E.« im »Kleinen Blatt«45, ein »w. s.« in der »Vossischen
Zeitung«46, bis hin zu einem Anonymus in der »Münchner Telegramm-
Zeitung«47. Ungemein verständig auch, wenngleich etwas dick auftra-
gend, ein »H. G.« in der Berliner »Neuen Revue«: »Von den vielen
Büchern, die sich mit Österreich und dem Österreicher beschäftigen,
unterscheidet sich dieses genial barocke Werk in einem wesentlichen
Punkt: während jene in einer Art Geheimsprache abgefaßt sind, die
immer wieder nur der Österreicher versteht, und in der Regel von der
krähwinkelischen Einbildung ausgehen, Österreich sei ein Allerwelts-
begriff, versucht Anton Kuh in diesem von Witz und Liebe funkelnden,
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien