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Anton Kuh - Biographie
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318 In seinem Knieriem sollte ein Typus ein Monument erhalten, in dem Kuh »das Rettbare, das Unsterbliche, ethnologisch Ewig-Gültige von Nestroys Posse« sieht: »der politisierende Österreicher (sprich: Ba- juvare). Lokal und Weltall, Suff und Phrase hängen bei ihm nicht will- kürlich zusammen, sondern nach einem tief-geheimnisvollen, unerschüt- terlichen Gesetz.« »In Anlehnung an tausend Heurigen-Originale aus Wienerwald und Weltgeschichte« entworfen, hatte Kuh im zweiten Akt eine eigene Szene dafür erfunden. Diese Szene  – für Kuh »der wesent- lichste Punkt der Erneuerung«  – war in der Aufführung der Volks- bühne gestrichen. Er tröstet sich damit, daß das gute Nestroy-Alte nach der Parole »Hart!« nicht weniger unkenntlich gemacht wurde  – dergestalt sogar, daß selbst ein Nestroy-Kenner wie der Theaterkritiker der »B. Z. am Mittag«, Paul Wiegler,22 ein wörtlich aus Nestroy übernommenes Cou- plet des zweiten Aktes, ein Lied der Laura, als eine »Nummer im Ber- liner Kabarettstil« bezeichnen konnte.23 Der Vorwurf einer der gewichtigsten Stimmen, der Béla Balázs’, die Bearbeitung und die Aufführung der Volksbühne sei »ein Tendenzstück gegen Standpunkt und Gesinnung überhaupt«, weil da vom lieder- lichen Kleeblatt »Ob rechts- oder linksradikal, das ist egal, das hängt ab vom Lokal« gesungen werde,24 träfe, wenn denn überhaupt, allenfalls die Aufführung, keinesfalls jedoch Kuhs Textbuch. Er erledigt sich aber ohnehin von selbst, weil er, grob fahrlässig, voraussetzt, daß Rollentext mit imaginierten Anführungszeichen zu lesen und damit die Meinung des Autors sei. Müßig, den »Sachverständigen« ins Stammbuch zu schreiben, daß es umso fragwürdiger ist, in Nestroys Figuren  – auch in den in Monologen und Couplets kommentierenden und räsonierenden Zentralfiguren  – das Sprachrohr des Autors zu sehen, als die Posse ein Genre ist, das im Dienst der komischen Wirkung in der Figurenzeich- nung übertreibt, zuspitzt, verzerrt, karikiert, klischiert, typisiert. Der weite Interpretationsspielraum, der sich eröffnet, verbietet es von vorn- herein, aus einer Blütenlese von »Aphorismen« und Rollentexten den politischen Standpunkt Nestroys oder dessen Weltbild oder gar eine Botschaft, die unter dem Strich vermittelt wird, herausdestillieren zu wollen. Über eins kann sich Kuh ganz offensichtlich nicht hinwegtrösten: daß sich unter all die Sachverständigen, die ihn angepflaumt haben, zu allem Überdruß auch der Kraus-Adlatus Rolf Nürnberg gemischt hat, bei dem Kuh  – ganz offenbar nicht zu Unrecht  – argwöhnt, Karl Kraus habe ihm die Feder geführt. Weil in Berlin schon der Witz kursierte: »Vom ›12 Uhr Blatt‹ schickt der Kraus den Nürnberg in die Vorstel-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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