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Anton Kuh - Biographie
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321 Ohren mit dem originalen »Lumpacivagabundus« haben: »In Wien spürt man diesen Widerspruch zwischen der Gemütlichkeit der Sprache und der Ungemütlichkeit ihres Inhalts sofort und empfindet ihn als den für Nestroy typischen höhnenden Satanismus. In Deutschland aber, für dessen Ohr Gemütlichkeit und Wiener Dialekt dasselbe sind […], bleibt man, ohne den Sinn jenes Gegensatzes zu verstehen, nur durch einen Tonfall befremdet, der warm tönende Worte aus kaltem Herzen hinaus- zuschleudern scheint.«35 Nestroy treibt mit dem Nebeneinander von Sprachvarianten und Stil- schichten unablässig sein aufgewecktes Spiel und schlägt daraus die Fun- ken seines Witzes. Meistens macht sich die Sprache im Zwiegespräch von Umgangsprache und Dialekt, Mundart und burgtheatralischem Schillerdeutsch, dialektal gefärbtem Idiom und Hochdeutsch Gedanken über sich selbst. Auf kleinstem Raum dort, wo eine Figur aus den schwindelnden Höhen angemaßten Stils wieder auf den Boden des Dia- lekts herunterfällt. Denn nicht alle Charaktere Nestroys bescheiden sich mit ihrem Sprachg’wandel von der Stange  – und erscheinen grotesk overdressed, wenn sie sich bemüßigt fühlen, einmal geborgte Haute Couture anlegen zu müssen. Ihre Komik entfalten die Nestroyschen Bühnentexte besonders dort, wo den Figuren verfänglicherweise ein Knopf im Sprachg’wandel aufgeht und Blößen sichtbar werden; oder wo sich die Rede zum Wortschwall bauscht und wülstige Falten wirft. Die Einebnung der Nestroy-Partitur mit ihren souverän arrangierten Stimmen, die den Nestroyschen Sprachwitz plattmachte, geht auf die Kappe der »Volksbühne«. Das ein für allemal festzuhalten, beeilt sich auch eine Klarstellung des S. Fischer Verlags, in deren Theaterabteilung das Kuhsche Textbuch erschien.36 Kuh, der seinen Nestroy kennt  – er ist einer seiner literarischen Hausheiligen  –, manövriert akribisch mit den Sprachregistern; nur wenige Wiener Dialektausdrücke wurden, wie es in den Vorbemerkungen heißt, »dem universal-deutschen Gehör des Publikums nahegebracht«; so wurde etwa »fechten« zu »betteln« und das »Mopperl« zum »Dackel«. Die Scharmützel rund um den Kuhschen »Lumpacivagabundus« finden eine Fortsetzung. Auf den Vorwurf der Voreingenommenheit, den Kuh gegen den »Troß-Buben« Nürnberg erhebt, den er als Modell für eine »groß angelegte Studie über ›Die Morphologie des Jüngeltums‹« in Betracht zieht,37 repliziert der Angegriffene unter dem Titel »Ein Autor kränkt sich«: Ausgerechnet Kuh mache sich Sorgen um sauberen Journalismus, er, der die »rechte Hand« des »wegen journalistischer Erpressungen steckbrieflich verfolgten« Wiener Zeitungsherausgebers Békessy gewesen sei.38 Worin Kuh wiederum »die alte Meisterschaft
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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