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Anton Kuh - Biographie
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322 des Ethikers  – die Handschrift des Verleumdungsgenies« erkennt, der durch »das Seminarjüngel, das cum laude aus der Schule des Ethos hervorging […], aus dem Effeff verleumden« läßt.*39 1931 Anläßlich der im Radio übertragenen feierlichen Überreichung des Harry-Lambertz-Paulsen-Rings an den Conférencier im Kabarett der Komiker, Willi Schaeffers,40 fragt Kuh sich, wie lang man das Publikum noch mit sogenannter »Kleinkunst«  – »eine Darbietung, die zu ihrer eigentlichen Wirksamkeit unser Mitleid, unseren Willen zum Entgegen- kommen als Gleitkomponente erfordert. Weiße Tischtücher und klat- schende Abortmänner«  –, einem Genre, »das sich die übermütig auf- gelegte Bourgeoisie erfunden hat, aber die zu Tod verurteilte nicht mehr brauchen kann«, noch zu behelligen gedenke. Warum?  – »Aus der Sorge eines Nicht-Berliners um das gute Geistesansehen dieser Stadt. Weltstädte sind heute überall in Europa, ob Paris, Wien oder Berlin, Inseln im Meer der Dummheit, letzte Waffen- und Deckungsplätze des humanen, und wenn man es in diesem Sinne will, oppositionellen Geistes gegen den Ozean der vom flachen Land anstürmenden Phrasen. Einen Schritt hinaus, und man steht allein. Da kommt es darauf an, doppelt streng und rein dieses Geistes zu achten, das Gewissen wach zu halten, pedantischer und anspruchsvoller zu sein als die Kleinstadt, kurz gesagt: auf dem Quivive der geistigen Würde zu stehen. Was geschieht aber statt dessen? Welches Blatt man aufschlägt, die Spalten wimmeln von * Nicht nur läßt: In einer Polemik gegen Bernhard Diebold, der sich in seinem Verriß der Kuhschen Nestroy-Bearbeitung generell gegen »dieses Auf- frisieren von literarischen Mumien« verwahrt und als weiteres mißlungenes Beispiel derartiger »Totenbeschwörungen« die Aufführung von Jacques Offenbachs »Périchole« am Berliner Staatstheater in der Übersetzung Karl Kraus’ vom März dieses Jahres anführt (Bernhard Diebold: Volksstück ohne Volk. »Lumpacivagabundus« in der Volksbühne. In: Frankfurter Zeitung, Jg. 75, Nr. 396, 30.5.1931, Dreimalige Ausgabe, A, S. 1), läßt sich Kraus gleich auch über die »Berliner Totmachung von Nestroys ›Lumpazi- vagabundus‹« aus, über die »aufgeführte Schändung, durch welche der Geist des Lumpazivagabundus eine Auffrischung etwa im Geiste des ent- wichenen Imre Békessy erfuhr, indem nicht die Lumpen Knieriem und Zwirn dem Feenkönig auf den Leim gehen und sich bessern, sondern dank dem Sieg des bösen Prinzips der Leim von ihnen zur Lumperei bekehrt wird« (Karl Kraus: Der Fall Diebold. In: Die Fackel, Jg. 33, Nr. 857-863, August 1931, S. 48-55, hier S. 50).
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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