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des Ethikers – die Handschrift des Verleumdungsgenies« erkennt, der
durch »das Seminarjüngel, das cum laude aus der Schule des Ethos
hervorging […], aus dem Effeff verleumden« läßt.*39
1931
Anläßlich der im Radio übertragenen feierlichen Überreichung des
Harry-Lambertz-Paulsen-Rings an den Conférencier im Kabarett der
Komiker, Willi Schaeffers,40 fragt Kuh sich, wie lang man das Publikum
noch mit sogenannter »Kleinkunst« – »eine Darbietung, die zu ihrer
eigentlichen Wirksamkeit unser Mitleid, unseren Willen zum Entgegen-
kommen als Gleitkomponente erfordert. Weiße Tischtücher und klat-
schende Abortmänner« –, einem Genre, »das sich die übermütig auf-
gelegte Bourgeoisie erfunden hat, aber die zu Tod verurteilte nicht mehr
brauchen kann«, noch zu behelligen gedenke. Warum? – »Aus der
Sorge eines Nicht-Berliners um das gute Geistesansehen dieser Stadt.
Weltstädte sind heute überall in Europa, ob Paris, Wien oder Berlin,
Inseln im Meer der Dummheit, letzte Waffen- und Deckungsplätze des
humanen, und wenn man es in diesem Sinne will, oppositionellen Geistes
gegen den Ozean der vom flachen Land anstürmenden Phrasen. Einen
Schritt hinaus, und man steht allein. Da kommt es darauf an, doppelt
streng und rein dieses Geistes zu achten, das Gewissen wach zu halten,
pedantischer und anspruchsvoller zu sein als die Kleinstadt, kurz gesagt:
auf dem Quivive der geistigen Würde zu stehen. Was geschieht aber
statt dessen? Welches Blatt man aufschlägt, die Spalten wimmeln von
* Nicht nur läßt: In einer Polemik gegen Bernhard Diebold, der sich in seinem
Verriß der Kuhschen Nestroy-Bearbeitung generell gegen »dieses Auf-
frisieren von literarischen Mumien« verwahrt und als weiteres mißlungenes
Beispiel derartiger »Totenbeschwörungen« die Aufführung von Jacques
Offenbachs »Périchole« am Berliner Staatstheater in der Übersetzung Karl
Kraus’ vom März dieses Jahres anführt (Bernhard Diebold: Volksstück
ohne Volk. »Lumpacivagabundus« in der Volksbühne. In: Frankfurter
Zeitung, Jg. 75, Nr. 396, 30.5.1931, Dreimalige Ausgabe, A, S. 1), läßt sich
Kraus gleich auch über die »Berliner Totmachung von Nestroys ›Lumpazi-
vagabundus‹« aus, über die »aufgeführte Schändung, durch welche der
Geist des Lumpazivagabundus eine Auffrischung etwa im Geiste des ent-
wichenen Imre Békessy erfuhr, indem nicht die Lumpen Knieriem und
Zwirn dem Feenkönig auf den Leim gehen und sich bessern, sondern dank
dem Sieg des bösen Prinzips der Leim von ihnen zur Lumperei bekehrt
wird« (Karl Kraus: Der Fall Diebold. In: Die Fackel, Jg. 33, Nr. 857-863,
August 1931, S. 48-55, hier S. 50).
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien