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Anton Kuh - Biographie
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341 mehr der Schauspieler Vollbürger wurde, desto schlimmer stand es um die bürgerliche Kultur. Vollbürger wurde selbst Pallenberg, der harpa- gonhaft von der Bühne stürzte, seine Rache in die Wirklichkeit schleu- derte. Wenn die Kultur in Gefahr ist, welches Gut wird zuerst als bedroht genannt? Das Theater. Als wären nicht alle Kulturgüter in Gefahr  – als hätten wir nicht deshalb kein Geld, weil wir verlernt haben, an die Güter zu glauben, die wir für Geld kaufen können. Das Geld verkriecht sich vor den nicht mehr geglaubten Werten. Die Wal- hall-Brücke von Kant zur Börse, vom kategorischen Imperativ zum Aktienkurs […] ist zerbrochen. Das Geld berief sich gern auf den Bücherschrank als Rückversicherung  – aber auch die Bücher sind längst fort.«31 Mit mehrfachem Vorbehalt32  – »Wenn Anton Kuh spricht, dann läuft er seinem Thema nach, von dem einmal gefaßten Gedanken spin- nen sich tausend weitere fort, und wie die Spinne, so webt er sein Ge- dankennetz um die Materie. Manchmal geht es ihm auch darum, seine einzigartigen Formulierungskünste zu treiben, koste es, was es wolle. Dann sagt er, was ihm in den Sinn kommt, mag es nun zum Thema gehören oder nicht«  – gibt die »Wiener Sonn- und Montags-Zeitung« wieder, was er »ungefähr […] im ausver- kauften Haus des Theaters in der Josefstadt unter großem Beifall seiner vielen Freunde gesagt« hat. »Mein Recht, über die Materie zu sprechen, hat seine Ursache in der heutigen Zeit, in der der alte Kapitalismus mit seiner Weisheit zu Ende ist. Seine Sachlichkeit ist auf allen Linien geschlagen und der Verfemte, Unseriöse wird mit einem Mal zum weisen Sachverständigen. Es häufen sich in der letzten Zeit Fälle, wo große Bank- und Finanzsachverständige mich zu Rate ziehen und mich fragen, was nun aus allen Dingen werden soll. Den Grund, warum man mich gerade zu Rate zieht, glaube ich zu wissen: man hält mich für den genia- len Vorfriedensschnorrer, für einen, der die heutigen Zustände an seiner eigenen Person viele Jahre vorher erlebt hat. Wie fühlt man sich, fragen jene Leute, wenn man kein Geld hat, um sich für die künftigen Zeiten vorzubereiten? Wir müssen jetzt, sagen sich diese Leute, zum ersten Male etwas versuchen, was Anton Kuh sein ganzes Leben lang gemacht hat: ohne Geld zu leben. / Jetzt höre ich sogar, daß man aus diesen Erwägungen heraus sich entschlossen hat, mich in den Wirtschaftsbeirat Hindenburgs zu ko optieren. / Zum Thema selbst möchte ich folgendes sagen: Ich bin auf die paradoxe Tatsache gekommen, daß man, so wie man nichts auf Erden umsonst kriegt, nicht einmal Geld um- Berlin, Kurfürstendamm- Theater, 5.12.1931, 20.30 Uhr: Warum haben wir kein Geld? (Von Kant bis Patzenhofer) Mährisch- Ostrau / Moravská Ostrava, Deutsches Theater, 16.12.1931, 20 Uhr: Warum haben wir kein Geld? (Von Kant bis zur Pleite)
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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