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Anton Kuh - Biographie
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361 Bühne mehr bieten werde. Und, so der »Sozialdemokrat«: »Es blieb dem Leiter der Urania und Kultur-Repräsentanten des Prager Deutsch- tums vorbehalten, sein Versprechen zu vergessen oder zu brechen, seinen Degout an den Verdauungsbeschwerden des Kuh zu überwinden, und den ›deutschen Schriftsteller‹ von Békessys Gnaden neuerlich in der Urania auftreten zu lassen. Daß dabei der Namen Goethes mißbraucht wurde, machte die Sache vollends zu einem Skandal, der mit aller Druckerschwärze des ›Prager Tagblatt‹ nicht abzuwaschen ist.«14 Einige Redakteure des »Sozialdemokrat« klagen Anton Kuh wegen Ehrenbeleidigung. Der »B. Z. am Mittag« unterläuft in ihrem Bericht über den Prager Prozeß ein bezeichnender Fehler: Dort steht zu lesen, daß Kuh »von den Redakteuren eines deutsch-nationalsozialistischen Blattes« verklagt worden sei.15 Anton Kuh stellt tags darauf richtig, daß es nicht ein »deutsch-nationalsozialistisches« Blatt gewesen sei, das die Nazis dazu aufgerufen hatte, seinen Vortrag zu stören, sondern ein »deutsch-sozialdemokratisches«  – und merkt an, daß seine Ausfällig- keiten dadurch vielleicht verständlicher seien.16 Karl Kraus leistet von Wien aus »Rechtshilfe«, indem er Anton Kuhs Prozeßgegnern ein ganzes Dossier mit ehrabschneiderischem Material zur Verfügung stellt, das von Zechprellerei bis  – unverzeihlich  – Majestätsbeleidigung, began- gen an Karl Kraus, reicht. Genützt hat es nichts, Kuh wird am 1. De- zember 1932 vom Vorwurf der Ehrenbeleidigung freigesprochen. Der Prager »Sozialdemokrat« ist in seinen Schmähungen so phantasie- voll wie die Wiener Nazi-Blätter. Im Anschluß an eine Berichtigung seiner Anwürfe durch Kuhs Rechtsanwälte schlägt er nach: »exkremen- tale Geistigkeit«, »Söldling des Erpresserkönigs Békessy«, »Kuhstall«, »hunds- und kuhordinär«, »seine Fladen ablagern«.17 Zum Goethe-Vortrag selbst bemerkt übrigens »das Kulturblatt der Prager deutschen Bourgeoisie« Folgendes: »›Was würde Goethe dazu sagen?‹, daß sich Anton Kuh gestern in der ›Urania‹ in seiner so oft bewunderten, an sich selbst verbrennenden Leidenschaft den Olympier zum Thema, richtiger zum Anlaß eines Vortrag nahm? So divergierend auch die Vorstellung einer Begegnung des wolkenthronenden Weimarers mit Anton Kuh, dieser in der Luft verpuffenden spirituellen Grazie (die übrigens nicht ihresgleichen findet), erscheinen mag  – auch Goethe hätte seine helle Freude an diesem zweiten Neffen Rameaus haben müssen. nicht immer nur ideale Wege gehen kann, sondern des leidigen Geschäftes halber Konzessionen machen muß, mancherlei gewohnt und man war ebenso gewohnt, ihr sehr viel nachzusehen, aber die Zirkusattraktion eines Kuh-Vortrages ist schon wirklich ein starkes Stück!«
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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