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Bühne mehr bieten werde. Und, so der »Sozialdemokrat«: »Es blieb
dem Leiter der Urania und Kultur-Repräsentanten des Prager Deutsch-
tums vorbehalten, sein Versprechen zu vergessen oder zu brechen,
seinen Degout an den Verdauungsbeschwerden des Kuh zu überwinden,
und den ›deutschen Schriftsteller‹ von Békessys Gnaden neuerlich in der
Urania auftreten zu lassen. Daß dabei der Namen Goethes mißbraucht
wurde, machte die Sache vollends zu einem Skandal, der mit aller
Druckerschwärze des ›Prager Tagblatt‹ nicht abzuwaschen ist.«14
Einige Redakteure des »Sozialdemokrat« klagen Anton Kuh wegen
Ehrenbeleidigung. Der »B. Z. am Mittag« unterläuft in ihrem Bericht
über den Prager Prozeß ein bezeichnender Fehler: Dort steht zu lesen,
daß Kuh »von den Redakteuren eines deutsch-nationalsozialistischen
Blattes« verklagt worden sei.15 Anton Kuh stellt tags darauf richtig, daß
es nicht ein »deutsch-nationalsozialistisches« Blatt gewesen sei, das die
Nazis dazu aufgerufen hatte, seinen Vortrag zu stören, sondern ein
»deutsch-sozialdemokratisches« – und merkt an, daß seine Ausfällig-
keiten dadurch vielleicht verständlicher seien.16 Karl Kraus leistet von
Wien aus »Rechtshilfe«, indem er Anton Kuhs Prozeßgegnern ein
ganzes Dossier mit ehrabschneiderischem Material zur Verfügung stellt,
das von Zechprellerei bis
– unverzeihlich
– Majestätsbeleidigung, began-
gen an Karl Kraus, reicht. Genützt hat es nichts, Kuh wird am 1. De-
zember 1932 vom Vorwurf der Ehrenbeleidigung freigesprochen.
Der Prager »Sozialdemokrat« ist in seinen Schmähungen so phantasie-
voll wie die Wiener Nazi-Blätter. Im Anschluß an eine Berichtigung
seiner Anwürfe durch Kuhs Rechtsanwälte schlägt er nach: »exkremen-
tale Geistigkeit«, »Söldling des Erpresserkönigs Békessy«, »Kuhstall«,
»hunds- und kuhordinär«, »seine Fladen ablagern«.17
Zum Goethe-Vortrag selbst bemerkt übrigens »das Kulturblatt der
Prager deutschen Bourgeoisie« Folgendes: »›Was würde Goethe dazu
sagen?‹, daß sich Anton Kuh gestern in der ›Urania‹ in seiner so oft
bewunderten, an sich selbst verbrennenden Leidenschaft den Olympier
zum Thema, richtiger zum Anlaß eines Vortrag nahm? So divergierend
auch die Vorstellung einer Begegnung des wolkenthronenden Weimarers
mit Anton Kuh, dieser in der Luft verpuffenden spirituellen Grazie (die
übrigens nicht ihresgleichen findet), erscheinen mag
– auch Goethe hätte
seine helle Freude an diesem zweiten Neffen Rameaus haben müssen.
nicht immer nur ideale Wege gehen kann, sondern des leidigen Geschäftes
halber Konzessionen machen muß, mancherlei gewohnt und man war
ebenso gewohnt, ihr sehr viel nachzusehen, aber die Zirkusattraktion eines
Kuh-Vortrages ist schon wirklich ein starkes Stück!«
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien