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Anton Kuh - Biographie
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371 »Weit?  … Von wo?«1  – Der »Emigrant in Permanenz« im Exil In einem Interview drückt Anton Kuh im März 1930 flachsend sein Entsetzen aus: Er müsse in der Spree-Metropole Einkommensteuer zahlen! »Die korrekten Deutschen haben nicht daran vergessen. Ich werde mich aber dafür in entsetzlichster Weise rächen, denn ich gehe daran, die preußisch-deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben.«2  – Diese Retourkutsche ist ihm nicht mehr vergönnt. Kuh trifft am Montag, dem 6. Feber 1933, früh mit dem Nachtzug aus Berlin kommend in Wien ein, um drei Tage darauf im Mittleren Kon- zerthaussaal unter dem Titel »Schützet Franz Joseph!« über Kaiser Franz Joseph als Bühnenfigur und die Hintergründe der Kaiser-Franz- Joseph-Mode auf dem Theater zu sprechen. Willi Frischauer von der »Wiener Allgemeinen Zeitung« erklärt er pointiert, die klaren Verhältnisse in Deutschland der fadenscheinigen Kulisse in Österreich vorzuziehen: »Ich kann das Gefühl nicht loswer- den: man spürt draußen bei allem, was los ist, doch mehr die Festigkeit des Bodens. Sogar die Niedrigkeiten werden mit einer gewissen Korrekt- heit durchgeführt. Dann gibt es eine Art von politischem Kurszettel in Berlin, auf dem man sieht, in welche Stadt man fahren kann. Hier herrscht das Unvorhergesehene. Ich möchte es mit dem Zustand der galizischen Städte vergleichen, in denen einem der Kot bis an die Knöchel reicht. In Deutschland war die Polizei zum Beispiel bis vor einer Woche noch eine republikanische Truppe, in Österreich herrschen Freischärler und keine Truppe. In einem Land wie Deutschland, wo Friseure und Kellner mit den Kunden kurz angebunden sprechen, läßt einen sogar der Mangel an Loyalität fühlen, daß nichts passieren kann. Hier verbirgt sich hinter einer gewissen Amtsloyalität als Rückseite eine wüste Unvorherseh- barkeit. / Das alles möchte ich zusammenfassen mit dem Satz: Wenn schon Reaktion, dann lieber Asphalt und nicht Dreck.« Kuh kündigt an, eine »österreichische Elegie«, einen Abgesang auf das alte Österreich anstimmen zu wollen.3 Tags darauf läßt er dementieren, wovon im Interview die Rede ist: daß er sich in seinem Vortrag über die aktuellen politischen Verhältnisse verbreiten werde. Er lege vielmehr auf die Feststellung Wert, daß er grundsätzlich »im Ausland über nichts öffentlich [rede], was er daheim (das heißt in Deutschland) nicht mit der gleichen Freimütigkeit aussprechen würde«.4
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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