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Anton Kuh - Biographie
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374 das verarmte Nachkriegsösterreich verlassen habe und dem Ruf nach Berlin gefolgt sei, der in den Wiener Literatencafés laut geworden sei?  – »Neben einer Schar von Allerweltsverbrüderern waren es ein paar Dutzend schäbiger, dem Judentum entlaufener Gesellen, Abfall- produkte der jüdischen Großstadtgesellschaft, Wurzel- und Heimat- lose, denen der Zug nach Berlin zu langsam fuhr. Hier in Wien, riefen sie kokett, erstickt ein freier Mensch; hier gibt es keinen Raum für schöpferisches Tun, keine Resonanz. Hier gibt es nur Schnorrer, hier gibt es nur Lodenpolitiker, die Wien verdorfen wollen; hier ist alles Provinz, alles Moder, Barockträgheit  – nur kein Tempo! Tempo war das Lieblingswort der Berlinsüchtigen. / Und sie gingen nach Berlin. Schmierten sich am Theater, Kabarett, an Literatur und Pseudolitera- tur, an Kritik und Magazin und all dem, was die revolutionär-konser- vativen Kreise in Deutschland ›Kulturbolschewismus‹ nennen. / Das Hakenkreuz, das Geist und Ungeist ohne Wahl austreibt, hat uns die Herrschaften zurückgespült. Das geistige Deutschland ist wieder in Wien.«  – Mit dem Sucus: »Jede Assimilation führt zum Debakel.«13  – Kuh war indessen der letzte, dem man in dieser Hinsicht Bescheid hätte stoßen müssen. Im Gespräch mit Willi Frischauer hat Kuh am 8. Feber noch Galgen- humor bewiesen und die Situation in Deutschland  – bis vor einer Wo- che  – sarkastisch als »ideal« bezeichnet: »Demokratie unter dem Schutz von Bajonetten. Deutscher Oppositionalismus, geschützt durch eine Reichswehrdiktatur.« Mit den Flüchtlingen waren unterdessen jene von den Nationalsozialisten als »Greuelnachrichten« und »Greuelpropa- ganda« bezeichneten Augenzeugenberichte über die Ausschreitungen der »Freigelassenen« gekommen, die jeden Versuch, in Deutschland persönlichen Heldenmut beweisen zu wollen, als selbstmörderische Dummheit hätten erscheinen lassen. Frivol? Vermessen?  – Irgendwo dazwischen wird man die Ankündi- gung einordnen, Anton Kuh werde seinen am Abend des 14. März 1933 in der Wiener Ravag unter dem ironischen Titel »Der überholte Wede- kind« gehaltenen halbstündigen Rundfunkvortrag noch im laufenden Monat bei den Sendern Mannheim, Frankfurt und Stuttgart wieder- holen. Erst recht, wenn man den Nachsatz zu dieser Meldung in Betracht zieht: »Damit erübrigen sich die Gerüchte, als ob Kuh, der seit seinem vor sechs Wochen gehaltenen Vortrag in Wien weilt, unter dem Ein- druck der deutschen Ereignisse hierhergekommen wäre.«14 Am 29. März reist Anton Kuh aus Wien ab. Auf dem »Meldezettel für Reisende«, der als »Ordentlichen Wohnsitz« Berlin ausweist, bleibt das Feld »Wohin?« leer. Damit verliert sich seine ohnehin dünne Spur
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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