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Anton Kuh - Biographie
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375 beinahe gänzlich. Gäbe es nicht  – spärlich genug  – karge Aufzeichnun- gen buchhalterischer Art wie Meldezettel, die Karteikarte im Fichier Central (dem zentralen Personenregister) der Sûreté Nationale, die knochentrocken Familienname, Vorname, Staatsbürgerschaft, Geburts- ort, Geburtsdatum, Beruf und Aufenthaltsort (Paris) registriert sowie den Stempel »CARTE D’IDENTITÉ« trägt, Ortsangaben in der Auto- ren zeile des »Prager Tagblatts«  – »Anton Kuh (Paris)«, »Anton Kuh (London)«  –, Passagierlisten für die US-Einwanderungsbehörde, eine Handvoll klapperdürrer Meldungen von »Pem’s Personal Bulletins«, kursorische Erwähnungen in Briefwechseln Dritter: das Unternehmen, wenigstens in Andeutungen einen äußeren Lebenslauf nachzuzeichnen, müßte vollends scheitern. Dem haben nicht erst die Nazis, die ihn zur Flucht ohne (großes) Gepäck zwangen, Grenzen gesetzt, sondern auch er selbst, der ab seinem 17. Lebensjahr ständiger Hotelbewohner war. Der archivarische Fachausdruck »Splitternachlaß« signalisiert den Um- fang von Kuhs Hinterlassenschaft in den Beständen des Österreichischen Literaturarchivs.15 Die Biographie geht so über lange Strecken auf in der Bibliographie.* Ende März 1933 fährt Kuh jedenfalls von Wien nach Prag. Und bündelt seine Beobachtungen in einer der Transitstationen für Exilierte in einer Art physiognomischer Psychopathologie des Emigranten, der wie ein »Mitspieler auf der Szene des Lebens« wandle, der seinen Text nicht mehr kenne. Charakteristisch auch »dieser Blick, der eine ange- nagte Seele zurückspiegelt«, der Eindruck eines »beschädigten« We- sens, das aus der »Zeitzugehörigkeit« gefallen sei. Während für den Emigranten die Zeit ein Wartezimmer sei, sei die weite Welt für »Genossen Ahasver« eine Lehranstalt: »Wohl denen, für die sie auch das wahre Daheim ist! Den freiwilligen Emigranten, die ihre Heimat erst finden, wenn sie sie verloren haben!« * Noch Mitte der 1980er Jahre und bis 2001 wurden Manuskripte Anton Kuhs auktioniert, gingen in Privatbesitz über und sind damit nicht zugänglich, darunter acht eigenhändige, unpublizierte Gedichte sowie zwei Briefe (vier- und dreizehnseitig) der New Yorker Zeit an Jacques Kapralik. Ein zweiseitiger maschinschriftlicher Brief an Max Brod über Kuhs Pariser Stegreif-Rede »Die Metaphysik als Hausknecht« vom 2.12.1933 ist nicht zugänglich, weil der Max-Brod-Nachlaß, der nach jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen kürzlich der National Library of Israel zugesprochen wurde, gerichtlicherseits noch nicht freigegeben ist. Mit dem 11. Feber 1934 wurde die der Sozialdemokratischen Partei nahestehende »Wiener Allge- meine Zeitung« verboten, der Kuhs Aktivitäten oftmals eine Meldung wert waren.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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