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Anton Kuh - Biographie
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379 deutschnationaler und völkischer Kreise, deren haßerfüllte Gegnerschaft er sich durch seine kritische Einschätzung Paul von Hindenburgs zu- gezogen hatte, seinen Dozentenposten an der Technischen Universität Hannover endgültig hatte räumen müssen, hatte Kuh eine böse Vorah- nung: »Theodor Lessing wird nicht ruhen können, bis er Schule, Haus und Stadt verlassen hat  – und wer bürgt selbst dann für sein Leben?«30 Am Samstag, dem 20. Mai, spricht Kuh auf Einladung des Unterstützungsvereins für jüdische Hochschüler unter dem Titel »Die Weltpest oder Die Diktatur der Postbeamten« im Brünner Dopž-Saal, wo seine Ausführungen »teils mit atem- loser Stille, teils mit schallender Heiterkeit« aufgenommen werden;31 am Mittwoch darauf, wieder heftig akklamiert,32 im Vortragssaal der Prager Städtischen Bibliothek am Marien- platz. Ob nun in Brünn  – oder anderen regionalen Zentren der Tschecho- slowakei wie Olmütz, Preßburg, Karlsbad, Teplitz  –, Prag oder Wien, ob unter dem Titel »Die Weltpest«, »Der Geist des Mittelalters, »Die Metaphysik als Hausknecht« oder »Das konfiszierte Gehirn«: Kuh, der sich seinem Publikum nach 1933 stolz als »Asphalt literat«* vorstellt, spricht zur Sache, Tacheles  – wenn auch nicht immer Klartext. Schon im Dezember 1931 hatte ein Berliner Rezensent anläßlich des Vor- trags »Warum haben wir kein Geld?« den Wechsel des Kuh- schen Tenors in die Formel gegossen: »Die Zeiten ändern sich: Abraham a Santa Clara ist zum Conférencier geworden, der vergeblich versucht, seiner Gemeinde die Gewalt der Stunde zu erklären.«33 Und ob er nun  – Physiognom der Tonfälle  – vom neudeutschen Wortschatz her dem Geist Nazi-Deutsch- lands bis ins Innerste leuchtet oder »mit den scharfgeschliffe- nen Klingen seiner verblüffenden Dialektik, mit hinreißendem Schwung gekreuzt und mit kabarettistischen Finten pariert«34, Breschen in die geistesgeschichtliche Unterfütterung der natio- nalsozialistischen Machtpolitik schlägt  – Stichwort: Mißbrauch Nietz- sches; ob er, mentalitätsgeschichtlich argumentierend, statuiert, daß jeder deutsche Soldat seinen Kant im Tornister trage; ob er davor warnt, naivem Heroismus das Mäntelchen sittlicher Sendung umzu- hängen; oder vor der Untertanenmentalität und vor dem autonom ge- wordenen Lakaientum vom Typus des Staats- oder Post beamten, das nun die Geschicke Deutschlands leite; ob er sich über den Antagonismus * Ironische Verwendung und Selbstzuschreibung des gegen die urbane Mo- derne zielenden völkischen Kampfbegriffs. Brünn / Brno, Dopž-Saal, 20.5.1933, 20 Uhr: Die Weltpest oder Die Diktatur der Postbeamten Prag, Städtische Bücherei, 24.5.1933, 20 Uhr: Die Weltpest oder Die Diktatur der Postbeamten. Von Asch über Wien nach Berlin und zurück
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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