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Anton Kuh - Biographie
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381 scher Apostel sei.38 Worauf Daudet seinem »spirituel et aimable con- frère viennois« zu bedenken gibt, daß Hitler doch vom Nietzscheschen »Willen zur Macht« inspiriert scheine, aber zugesteht, daß Dumpfheit und Antisemitismus kein Erbteil Nietzsches sind, und zu verstehen gibt, daß er die Verachtung, mit der Kuh den Nazis begegnet, nicht teile, und eine Parallele zieht zwischen Adolf Hitler und Martin Luther, dem  – in der abschätzigen Sicht der zeitgenössischen Gegner  – »An- streicher« und dem »geilen Mönch, dem es nicht zugestanden habe, eine Kirche zu gründen«.39 Worauf wiederum Kuh in seiner Duplik daran erinnert, was Nietzsche über Luther geschrieben hat: »›Er sei ein Wildschwein, gewesen, das in die Gevierte der Zivilisation einbrach.‹ Der Anstreicher würde Augen machen, wenn er diesem Zitat seines Leibphilosophen begegnete. Oder es  – in dubio  – für ›Greuelpropa- ganda‹ halten.«40 Unter dem Zeichen der Propaganda von »drüben« steht auch Kuhs Nachbetrachtung der Salzburger Festspiele des Jahres 1933. Die »stahl- blaue Spätsommerluft« in der Stadt, in der »die alte Zeit ihr leuchtend- stes Domizil« habe, wirkt auf ihn noch »geheimnisvoller und märchen- hafter« als je: »der Bahnhof trennt zwei Gegenwelten: schönstes Gestern und bösestes Heute. Man brauchte sich bloß unversehens in den Geleisen zu irren oder die Eisenstange zu heben, die den bayrischen Perron ab- sperrt, und käme ohne Umsteigen aus dem Freilufttheater ins Konzen- trationslager. Fünf Minuten von Mozart zu Röhm!« Wenn Ewald Balser in der Max-Reinhardtschen »Faust I«-Inszenie- rung in der Felsenreitschule, die Schale mit dem todbringenden Trank zum Mund führend, mit dem Vers »Welch tiefes Summen, welch ein hoher Ton« innehält, »dann recken sich einige Zuschauerköpfe unwill- kürlich zum samtblauen, sternenübersäten Nachthimmel, ob dort nicht wieder ein Flugzeug sichtbar wird, beladen mit Flugzetteln und Auf- rufen wider Dollfuß, um die papierene Fracht sogleich gemächlich auf die Häupter hier zu streuen.« Und die »Oberon«-Aufführung vom 28. August im Festspielhaus unter dem Dirigat Bruno Walters  – »eine Deutschheit ohne Kanten und Schroffen, vielmehr angetaut und luftig gemacht zum Spinnwebengewicht«  – inspiriert Kuh wieder einmal zur Verklärung »des österreichischen Elements«: »Verhält es sich zum Rein- Deutschen nicht wie die Vegetation zum Programm? Dort leben sie das Gesetz, die Einstellung, den Vorsatz  – hier das Sein. Dort planen sie glücklos  – hier wird alles Atmen zum Glück.« Salzburg ist ihm »die Hauptstadt der Welt«, ist ihm, auf ein paar Wochen im Sommer, letztes Refugium der internationalen Gesellschaft und Kultur; das kleine Café Bazar der »Kalkalpen-Ableger vom weiland
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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