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Anton Kuh - Biographie
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382 Romanischen Café in Berlin, vom Café du Dôme in Paris und vom Wiener Café ›Herrenhof‹«.  – Wie lange noch? Beim Umzug der Trachtenvereine und der Trachtenmusikkapellen am Sonntag, 27. August, wird Kuh entrisch zumute: »Dieser Umzug hatte etwas von des Pater Haspingers letztem Aufgebot aus 1809: wir wollen nicht Bayern sein, wir sind eigene Leut’. Am Straßenrand standen da und dort junge, kurzbehoste Leute, blickten fremd und gaben nichts für das heitere Farbenspiel. Braun in braun wäre ihnen lieber gewesen, der Klopfschritt verlockender als das Dulliäh. Morgen, wenn der Fest- lärm vorbei ist, sind sie nicht mehr Eckensteher. Die Saison ist aus, das Salzburger Lächeln wird wieder für einige Zeit abmontiert, der Som- mer des Vergnügens weicht dem Winter der Einstellung. / Wer schützt dich jetzt, gutes, helles Trachtenvolk, vor den Scheeläugigen am Straßen- rand, wenn der Fremdenverkehr* nicht mehr mit geschultertem Ba- jonett vor dir steht?  …«41 An den Fall Lessing erinnert Kuh im September des Jahres, als er im »Morgen« über die Umtriebe von Nazi-Agenten unter den Pariser Emigranten in den Cafés des Montparnasse berichtet und die »doppelte Buchhaltung aus Mord und Würde« beleuchtet, mit der die waggonweise Verschickung von »Abrechnern« ins Ausland begleitet wird. Wenn er auch um die Gefährdung jedes einzelnen weiß, und das aus eigener Erfahrung: schließlich ist es erst zehn Jahre her, daß sich nach einem Vortrag im Wiener Konzerthaus »ein paar hundert, mit Schürhaken, Totschlägern, Messern und Riemen bewaffnete junge Burschen vor der Ausgangstür ansammelten, um [ihn]  – wie das spätere Protokoll sagte  – ›ein bisserl‹ durchzuhauen«, gibt er sich dem »exportierten Mord« gegenüber, der unerbittlich jeden Schädel einschlagen will, der sich einmal durch das Vorhandensein von Hirn mißliebig bemerkbar ge- macht hat, zuversichtlich: »Das Hirn ist unausrottbar. Und die Hüter der Logik wachsen nach wie die Köpfe der Hydra.«42 Als er sich erlaubt, den Friedensschalmeien, mit denen Nazi-Deutschland Frankreich ein- zulullen versucht, nicht auf den Leim zu gehen,43 wird er vom »Stür- mer« grob angeblasen. Jener Herr Kuh, der seinerzeit »in Form einer ›freien Conférence‹ vor einem rein jüdischen und vor Entzückung * Mit dem Reichsgesetz vom 1.6.1933 trat die sogenannte Tausend-Mark- Sperre, eine von der deutschen Reichsregierung erlassene Verfügung, wo- nach deutsche Staatsbürger bei der Ausreise nach Österreich eine Taxe von tausend Mark zu erlegen hatten, in Kraft; eine Wirtschaftssanktion, die das stark vom Fremdenverkehr abhängige Österreich politisch gefügig machen sollte.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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