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Romanischen Café in Berlin, vom Café du Dôme in Paris und vom
Wiener Café ›Herrenhof‹«. – Wie lange noch?
Beim Umzug der Trachtenvereine und der Trachtenmusikkapellen
am Sonntag, 27. August, wird Kuh entrisch zumute: »Dieser Umzug
hatte etwas von des Pater Haspingers letztem Aufgebot aus 1809: wir
wollen nicht Bayern sein, wir sind eigene Leut’. Am Straßenrand standen
da und dort junge, kurzbehoste Leute, blickten fremd und gaben nichts
für das heitere Farbenspiel. Braun in braun wäre ihnen lieber gewesen,
der Klopfschritt verlockender als das Dulliäh. Morgen, wenn der Fest-
lärm vorbei ist, sind sie nicht mehr Eckensteher. Die Saison ist aus, das
Salzburger Lächeln wird wieder für einige Zeit abmontiert, der Som-
mer des Vergnügens weicht dem Winter der Einstellung. / Wer schützt
dich jetzt, gutes, helles Trachtenvolk, vor den Scheeläugigen am Straßen-
rand, wenn der Fremdenverkehr* nicht mehr mit geschultertem Ba-
jonett vor dir steht?
…«41
An den Fall Lessing erinnert Kuh im September des Jahres, als er im
»Morgen« über die Umtriebe von Nazi-Agenten unter den Pariser
Emigranten in den Cafés des Montparnasse berichtet und die »doppelte
Buchhaltung aus Mord und Würde« beleuchtet, mit der die waggonweise
Verschickung von »Abrechnern« ins Ausland begleitet wird. Wenn er
auch um die Gefährdung jedes einzelnen weiß, und das aus eigener
Erfahrung: schließlich ist es erst zehn Jahre her, daß sich nach einem
Vortrag im Wiener Konzerthaus »ein paar hundert, mit Schürhaken,
Totschlägern, Messern und Riemen bewaffnete junge Burschen vor der
Ausgangstür ansammelten, um [ihn]
– wie das spätere Protokoll sagte
–
›ein bisserl‹ durchzuhauen«, gibt er sich dem »exportierten Mord«
gegenüber, der unerbittlich jeden Schädel einschlagen will, der sich
einmal durch das Vorhandensein von Hirn mißliebig bemerkbar ge-
macht hat, zuversichtlich: »Das Hirn ist unausrottbar. Und die Hüter
der Logik wachsen nach wie die Köpfe der Hydra.«42 Als er sich erlaubt,
den Friedensschalmeien, mit denen Nazi-Deutschland Frankreich ein-
zulullen versucht, nicht auf den Leim zu gehen,43 wird er vom »Stür-
mer« grob angeblasen. Jener Herr Kuh, der seinerzeit »in Form einer
›freien Conférence‹ vor einem rein jüdischen und vor Entzückung
* Mit dem Reichsgesetz vom 1.6.1933 trat die sogenannte Tausend-Mark-
Sperre, eine von der deutschen Reichsregierung erlassene Verfügung, wo-
nach deutsche Staatsbürger bei der Ausreise nach Österreich eine Taxe von
tausend Mark zu erlegen hatten, in Kraft; eine Wirtschaftssanktion, die das
stark vom Fremdenverkehr abhängige Österreich politisch gefügig machen
sollte.
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book Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien