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Anton Kuh - Biographie
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386 Witwe‹ im Stadttheater mit den humoristischen Worten angekündigt: ›Ich bin nur ordinär. Wenn Sie Geist und Ordinärheit hören wollen, müssen Sie übermorgen zu Anton Kuh gehen!‹ Das große Interesse, welches diesem einmaligen Vortagsabend entgegengebracht wird, läßt auf einen vollen Saal schließen und empfiehlt es sich daher, Karten im Vorverkauf beim Friseur Urban im Kurhaus zu sichern. Preise der Plätze von 6 bis 28 Kč.«55 Der Begleittext: »Gedrängt durch die Verhält- nisse, macht sich überall im Sudetendeutschtum ein neuer Kulturwille bemerkbar. Aber die Gegner sind am Werke und suchen alles Echte und Gesunde durch einen volksfremden Geist zu zersetzen. Das Sudeten- deutschtum will mit solchen internationalen Kulturschleichhändlern nichts zu tun haben.«56 Obwohl er sich der Ohnmacht des Wortes vis-à-vis nackter Gewalt bewußt ist, veröffentlicht Kuh weiterhin unverdrossen Satiren auf die Sprachverhunzungen der Chargen des »Tausendjährigen Reichs«, das die Wirklichkeit redigiert, »als wäre sie die Pfingstbeilage zum ›Rum- burger Wochenblatt‹«57, im Prager »Simplicus«, der für den »gleich- geschalteten« Münchner »Simplicissimus« in die Bresche springt, sowie im Nachfolgeblatt »Der Simpl«; schreibt er für das »Prager Tagblatt« bis zum August 1937 weiterhin neben politischen Kommentaren und vereinzelten Theater- und Musiktheaterkritiken auch launige Betrach- tungen des Pariser Alltags aus der Perspektive des Zugereisten  – letztere oft nachgedruckt in resp. übernommen aus der größten Tageszeitung der deutschsprachigen Emigration in Frankreich, dem »Pariser Tageblatt«, und dem Nachfolgeblatt, der »Pariser Tageszeitung«  –, die selbstironi- sche Beobachtung etwa, daß hier »das Radebrechen der französischen Sprache auf Frauenohren keinen erotischen Reiz übt« oder »daß es für einen distinguierten Ausländer kein größeres Malheur gibt, als ›Kuh‹ zu heißen«58; über das Staunen des Kontinentaleuropäers angesichts Londoner Art und Spleen, den Kulturbetrieb und das steife Gesell- schaftsleben in der britischen Metropole; rauft er sich die Haare über das britische Währungs-, Maß- und Gewicht-System, dem die Ludolf- sche Zahl Pate gestanden sein müsse, und fragt er sich, ob es der geheime Sinn dieses Verwirrspiels um die »krummen Zahlen« sei, »den Konti- nental-Europäer nur mit möglichst viel Mühe ›hereinzulassen‹«59. Ab Juli 1934 schreibt Kuh wieder regelmäßig für die (inzwischen) »Neue Weltbühne«, die ihren Redaktionssitz nun in Prag hat, und das zuallererst als Physiognomiker von hohen Graden. Bereits im September 1933 empfiehlt er sich als oberster Sachverständiger einer zu gründen- den »physiognomischen Polizei«, der die Mörder, die das NS-Regime den vor ihm Geflohenen selbst noch im Ausland an die Fersen heftet,
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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