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Anton Kuh - Biographie
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388 ordnete »Eintopfsonntag«  – habe als »Speisekarten-Manifestation der Weltgeschichte« physiognomische Wirkungen gezeitigt: das säuerlich verhärmte Eintopfgesicht: »Mittendrin ein fleischiger »wesen- und cha- rakterloser Knollen […], der zwei nackte Löcher in die Welt steckt«, gern mit ein bißchen Bart drunter: die Plebejernase.69 Weil eben unter dem NS-Regime der Besitz eines »Originalgesichts« ein Delikt ist, ein Abweichen von der Uniformität, dem mit Argwohn begegnet wird.70 Mit dem dezenten Hinweis, man höre vielleicht ohnehin das »r« in der zweiten Silbe mit, das aus dem Eigennamen des Reichsstatthalters von Thüringen einen Gattungsnamen mache, leitet Kuh seine Betrach- tungen zu den Sauckels ein, die  – Vater, Mutter, neun Kinder  – im »Illustrierten Beobachter« vom 9. September 1937 als nationalsozialisti- sche Vorzeigefamilie eine ganze Bildstrecke bestreiten dürfen. Und da im »Land der Kerrle« Namen kein Zufall, sondern ihren Trägern aus dem Gesicht gerissen sind (oder aus dem Schlund gewürgt: etwa die »Rülps-Interjektion: ›Bürckel!‹«71), blickt Sauckels Antlitz »wie aus Wurst und Kohl geknetet« über die breite Hakenkreuzbinde auf dem Oberarm.72 Am 24. November 1936 wird Carl von Ossietzky, nach dreieinhalb Jahren »Schutzhaft« in den Konzentrationslagern Sonnenburg und Esterwegen bereits todkrank, der Friedensnobelpreis für 1935 zu- erkannt  – in den Augen des NS-Regimes eine »deutschfeindliche De- monstration«. Im Anschluß an eine dreistündige Rede Adolf Hitlers vor dem Reichstag am 30.1.1937 gibt Hermann Göring die Stiftung des »Deutschen Nationalpreises für Kunst und Wissenschaft« bekannt, die Hitler verfügt, »[u]m für alle Zukunft beschämenden Vorgängen vor- zubeugen […]. Die Annahme des Nobelpreises wird damit für alle Zukunft Deutschen untersagt« (Erlaß vom 30.1.1937). Kommentar Anton Kuh: »Der Ignoble-Preis hat seinen Einstein gefunden  … im Ausschreiber.« Und zwar für ebendie Rede vom 30. Januar, in der »his Hausmaster’s voice« wieder einmal »ihren Kernspruch aus der Zeit des Meidlinger Obdachlosenasyls: ›Jud, Jud!‹ als Galileisches: ›Eppur si muove  …!‹« verkündete.73 In Wien ist Kuh immer wieder zu Gast  – mehr nicht. Er flieht die Atmosphäre des »Ständestaats«. Die parlamentarische Demokratie hat schon 1933 ein Ende gefunden, als die Koalitionsregierung aus Christ- lichsozialen, Landbund und Heimatblock, die nur über eine hauch- dünne Mehrheit im Nationalrat verfügte, unter der Führung Bundes- kanzler Dollfuß’ eine Geschäftsordnungspanne, den gleichzeitigen Rücktritt aller drei Präsidenten des Nationalrats, dazu benutzt hatte, das Parlament staatsstreichartig auszuschalten und ab 15. März auf
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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