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Anton Kuh - Biographie
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391 sitzen auf erhabenem Stuhl im Landesgericht und im Justizpalast, es sind die Freisprecher von früher.« Walther Rode, rechtzeitig in die Schweiz emigriert, habe mit seiner Vorhersage recht behalten: »dass Österreichs Beamte (deren es nachweisbar um eine gute Hälfte zuviel gibt), nachdem sie dem Staat einmal das Mark herausgefressen und seine politischen Giftsäfte auf alle Art begünstigt hätten, dereinst selber ans Werk schrei- ten würden, um der Zivilisation und Ordnung im Lande den Garaus zu machen. Denn diese Beamten sind zum grössten Teil ihrer Herkunft nach gar nicht Österreicher, ihnen liegt an dem Geist toleranter Fried- lichkeit nichts, der dem Volk von Wien tief im Blut sitzt, sie stammen aus Hitlers Landen, seiner Wahl- und Hirn-Heimat: aus den sudeten- deutschen Gebieten. Dort wurde lang vor Hitler der Nationalsozialis- mus geboren, von dorther füllt sich in Wien alljährlich das Reservoir des sogenannten akademischen Nachwuchses auf, von dort kommt in Kurz- hosen und Windjacke der nationale Gesinnungsträger anmarschiert«.77 Daß die ganze Aktion in Berlin angezettelt worden war, darüber be- steht für Kuh ohnehin kein Zweifel. Mit einem offenen Brief reagiert Kuh, als ihm zu Ohren kommt, Franz Werfel könne der These der Ende Juli 1934 erschienenen »Fackel« Nr. 890-905 etwas abgewinnen, in der Karl Kraus auf 313 Seiten dartut, »Warum die Fackel nicht erscheint«: »die Wiener Sozialdemokratie sei zu schwach gewesen, die Sache gegen die große Barbarei zu halten«, also habe sie freiwillig dem »geringeren Übel« weichen müssen. »Daß das ›geringere Übel‹ dem ›größeren‹ vorzuziehen ist, ist nur eine Weisheit für Schweigende. Der Redende hat das Übel zu nennen, das kleinere noch bedingungsloser als das größere. Er hat zu sehen, nicht zu son- dern. Er hat es, kurz gesagt, seiner Dialektik im Schutz des geringeren Feindes nicht gut gehen zu lassen.« Aufgebracht über »diese vierhundertseitige Kabbala der hochge- putschten Feigheit«, wirft er Werfel vor, seine Haltung sei »durch die väterlichen Fabrikseinnahmen mehr bestimmt als durch die Menschen- liebe«, und zieht, den kleinen Unterschied, daß »der eine unter dem Niveau der deutschen Sprache Papier kaut und der andere über ihm«, beiseite gesetzt  – »Jener noch um Subjekt und Prädikat bangend und dieser bereits auf den Zinnen der Spitzfindigkeit«  –, einen Vergleich, der, mag seine psychodynamische Motivation auch nicht gänzlich ab- wegig sein, doch nicht bloß aufs erste unangemessen wirkt: »Im Ver- trauen: können Sie sich nicht alle beide, den Deutschböhmen, der in Berlin, und den anderen, der in Wien thront, den, der an sudetendeut- schen, und den, der an liberalen Leitartikeln sich entzündete, als Mit- schüler desselben altösterreichischen Untergymnasiums vorstellen,
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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