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Anton Kuh - Biographie
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399 lich heißen Abends im Großen Saal der Städtischen Bücherei einfindet, dem zwei Stunden hindurch zum Thema stegreifenden Anton Kuh langanhaltenden Beifall. Darin verzichtet der »attraktionelle Lieblingsredner intellektueller Publikumsschichten« strecken- weise auf das gewohnte blendende Feuerwerk an Witz und Esprit, »da er vorwiegend auf die Kennzeichnung der Gegen- wartssituation, auf die Unterscheidung zwischen dem Demo- kratentypus und der faschistischen Machtrausch-Erscheinung lossteuerte. […] Man hörte glänzende Formulierungen über die Anhänger einer Weltanschauung, die den Menschen vor- aussetzt, der eine Denkfunktion zu erfüllen in der Lage ist und einer Politik der Unterordnung, die auf den selbständigen Men- schen verzichtet.« Das Fazit, das der Rezensent des »Prager Mittags« über den »gesinnungsstarken Vortrag« zieht: »Man behielt den Wunsch, den bemerkenswert mutigen Vortrag, von überflüssigen Extravaganzen befreit und auf Kernpunkt zusammengedrängt, in Broschürenform zu lesen.«11 In dieselbe Kerbe schlägt »Die neue Weltbühne«, die, »nach Kuhs Gedächtnisprotokoll«, eine Episode aus dem »grandiosen Vor- trag« abdruckt, seine Einlassungen zum »Grundwesen fascistischer und namentlich nationalsozialistischer Geschichtswerdung; nämlich die unfehlbare, über die noch ›sittlich gehemmte‹ Umwelt notwendig triumphierende Verschwörer-Methode, das ›Ereignis‹, womit man die Welt eines Tages überraschen wird, bereits fertig auf dem Papier stehen zu haben und daraus rückläufig alle die Handlungen zu schöpfen, alle die Verneblungen vorzunehmen, alle die Lügen auszusprechen, die diesem vorausbestimmten Endgeschehen biegsam voranzugehen haben. […] Die Methode: zuerst das über jegliches Europa-Hemmnis, über Wahr- heit und Unwahrheit hinwegstolpernde Endereignis festlegen, also: das Communiqué, in dem später von der Niedertracht der Umwelt, den heiligen Notwendigkeiten, dem  – Gott ist unser Zeuge!  – reinen Willen der Regierung die Rede sein wird, zum Druck befördern  – und dann rückfolgernd, mit der Logik, die das Endergebnis den Voraussetzungen aufzwingt, bald an Europa angepasst, bald zu ihm in Widerspruch, bald als brav und friedenswillig verkleidet, bald zürnend und kreischend, alle die feineren und gröberen Fälschungen veranlassen, die später ein- mal ›Geschichte‹ heissen werden  – ich erkenne diese Methode in jenem Zeitungserlebnis wieder. Sicherlich ist dem sarkastischen Conférencier des Dritten Reichs, wenn er mit ›Oho!‹ und ›Hehe!‹ gegen Widersacher auftrumpft, so wenig bekannt, wie er sein Recht später ›belegen‹ wird, wie ich damals unser ›Material‹ kannte; aber ebenso sicher kennt er den Endeffekt voraus und richtet Germanias Verhalten danach ein. Man Prag, Städtische Bücherei, 25.5.1937, 20 Uhr: Was muß der Demokrat vom Fascismus wissen? oder Wie überlebe ich das Jahr 1937
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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