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nier, der den großformatigen Clipeus mit des
Autors Bildnis trägt, gestochen durch Theodor
Galle (1571–1633). Zwar folgen Oberkörperwen-
dung und Physiognomie dem Lipsius-Auftritt in
Peter Paul Rubens’ (1577–1640) Gemälde „Die
vier Philosophen“,16 doch sollen die neu hinzu-
erfundenen Attribute und die Gestik im Ver-
ein mit dem textlichen Hinweis auf das 58. Le-
bensjahr die Präsenz des Dargestellten als eines
vital agierenden Zeitgenossen unterstreichen.
Nicht ungewöhnlich ist dessen Hand auf dem
Buche, unkonventionell jedoch die Beigabe ei-
nes zweiten Lebewesens, hier des Hündleins, das
den Betrachter blickparallel zu seinem Herrchen
aus den Augenwinkeln fixiert und damit in ers- ter Linie dessen Vividität suggeriert.17 Denn aus-
gerechnet dieser Spaniel und langjährige Lip-
sius-Gefährte Saphyrus ist – hier nun zugleich
des G/gelehrten Hundes Memorial im Frontis-
piz – zum Zeitpunkt seines Kupferstichbildnis-
ses längst tot, war er doch 1601 in einem Sudkes-
sel kochenden Wassers verunfallt. Der eigenen,
dem Quintus Ennius entlehnten und in einer al-
len Gebildeten verständlichen Abkürzung zitier-
ten Devise „moribus antiquis [res stat Romana
virisque]”18 gab Lipsius – denn selbstverständlich
er selbst verantwortete dieses Frontispiz – noch
jenen Hymnus bei, den ihm sein Zeitgenosse
Henricus d’Oultremannus (* 1546) in dessen ei-
genem Todesjahr 1605 für diese Bucheröffnung
Abb. 8: Justus Lipsius, L. Annaei Senecae Philosophi opera, 1605, Frontispiz und Titel.
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16 Um 1610–1612, Florenz, Palazzo Pitti, Galleria Palatina, Inv.-Nr. 85.
17 Buchfern hatte schon 1587 Melissa, dieses Lieblingshundes Vorgängerin, den damals vierzigjährigen Gelehrten in
seinem durch Chrispin De Passe (1564–1637) gestochenen Bildnis begleitet, welches seitenverkehrt und unter Hin-
zufügung eines anderslautenden Distichons einen Stich von Hendrick Goltzius (1558–1616) wiederholt.
18 „Sitten aus alter Zeit geben Roms Staat Bestand wie die Männer“.
Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Titel
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Herausgeber
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Abmessungen
- 18.5 x 26.0 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Kategorien
- Geschichte Chroniken