Page - 244 - in Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Image of the Page - 244 -
Text of the Page - 244 -
nier, der den großformatigen Clipeus mit des
Autors Bildnis trägt, gestochen durch Theodor
Galle (1571–1633). Zwar folgen Oberkörperwen-
dung und Physiognomie dem Lipsius-Auftritt in
Peter Paul Rubens’ (1577–1640) Gemälde „Die
vier Philosophen“,16 doch sollen die neu hinzu-
erfundenen Attribute und die Gestik im Ver-
ein mit dem textlichen Hinweis auf das 58. Le-
bensjahr die Präsenz des Dargestellten als eines
vital agierenden Zeitgenossen unterstreichen.
Nicht ungewöhnlich ist dessen Hand auf dem
Buche, unkonventionell jedoch die Beigabe ei-
nes zweiten Lebewesens, hier des Hündleins, das
den Betrachter blickparallel zu seinem Herrchen
aus den Augenwinkeln fixiert und damit in ers- ter Linie dessen Vividität suggeriert.17 Denn aus-
gerechnet dieser Spaniel und langjährige Lip-
sius-Gefährte Saphyrus ist – hier nun zugleich
des G/gelehrten Hundes Memorial im Frontis-
piz – zum Zeitpunkt seines Kupferstichbildnis-
ses längst tot, war er doch 1601 in einem Sudkes-
sel kochenden Wassers verunfallt. Der eigenen,
dem Quintus Ennius entlehnten und in einer al-
len Gebildeten verständlichen Abkürzung zitier-
ten Devise „moribus antiquis [res stat Romana
virisque]”18 gab Lipsius – denn selbstverständlich
er selbst verantwortete dieses Frontispiz – noch
jenen Hymnus bei, den ihm sein Zeitgenosse
Henricus d’Oultremannus (* 1546) in dessen ei-
genem Todesjahr 1605 für diese Bucheröffnung
Abb. 8: Justus Lipsius, L. Annaei Senecae Philosophi opera, 1605, Frontispiz und Titel.
bernd
ernsting244
16 Um 1610–1612, Florenz, Palazzo Pitti, Galleria Palatina, Inv.-Nr. 85.
17 Buchfern hatte schon 1587 Melissa, dieses Lieblingshundes Vorgängerin, den damals vierzigjährigen Gelehrten in
seinem durch Chrispin De Passe (1564–1637) gestochenen Bildnis begleitet, welches seitenverkehrt und unter Hin-
zufügung eines anderslautenden Distichons einen Stich von Hendrick Goltzius (1558–1616) wiederholt.
18 „Sitten aus alter Zeit geben Roms Staat Bestand wie die Männer“.
Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
back to the
book Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa"
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Title
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Editor
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Size
- 18.5 x 26.0 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Categories
- Geschichte Chroniken