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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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Fensterausblicks lehnt und zirkelnd den Leser fi- xiert, auch seinen Assistenzfiguren (die funkti- onalikonologisch den „assistierenden“ Büchern der Paduaner Gelehrtendenkmäler entsprechen) sind jedoch keinerlei Bücher abstrakten Wis- sens attribuiert, sondern konkrete Gerätschaf- ten eines zünftig bauplanenden und -realisieren- den Wirkens. Höchstwahrscheinlich vermochte er selbst nicht einmal jene griechischen Schrif- ten zu deuten, welche den Schmuckbändern oben und seitlich des Wappens der Farnese, sei- ner Fördererfamilie, eingewebt sind. Der Buchin- halt, durch und durch in Kupfer gestochen, ist baumeisterlich pragmatisch, konzentriert sich auf die graphische Darstellung grundlegender archi- tektonischer Verhältnisse und erläutert deren An- wendung im jeweils knappen Text unter Verzicht auf theoretische Auslegung oder geschichtliche Herleitung. Im Falle Vignolas wandelte sich na- turgemäß erst mit dem Todesjahr 1573 das Titel- porträt zum eigentlichen Denkmal; so gravier- te man ihm unter Verwendung der originalen Erstausgaben-Titelkupferplatte anläßlich einer wiederum undatierten Ausgabe die Lebensda- ten sowie das erreichte Alter von 66 Jahren bei und widmete das zu Lebzeiten genommene und verbreitete Bildnis hierdurch um zum Epitaph.26 (Abb. 11) Das Bild des Autors, mit dem Titel ver- woben und durch ihn selbst auf – wie sich zeigen sollte – ewig mit seinem hilfreichen Vademecum auch für den „ungebildeten“ Baumeister verbun- den, sollte über zahlreiche Ausgaben bis ins frü- he 19. Jahrhundert dasselbe bleiben. Es änderten sich die gegebenenfalls beigegebenen Wappen, es mutierte die Rahmenarchitektur, im seitenver- kehrenden Nachstich blickte er manchmal nach links statt wie ursprünglich rechts – doch der In- halt blieb weitestgehend so identisch wie das Ver- fasserbild diesem verknüpft. Sein Zirkel als Aus- weis der Planungskompetenz wurde zum Vorbild für Bildnisse von Architekten und artverwandten Berufen überhaupt.27 Abb. 11: Vignola, Regola delli cinque ordini d’architettura, 1562 oder 1563/nach 1572. bernd ernsting248 25 Regola delli cinque ordini d’architettura di M. Iacopo Barozzio da Vignola, o. O. (Rom), o. J. (1562 oder 1563), Titel (Kupferstich) von unbekanntem Künstler. Vgl. zur Abb. 11 die posthume Ausgabe, wie Anm. 26. 26 Regola delli cinque ordini d’architettura di M. Iacopo Barozzio da Vignola, o. O., o. J. (identisch mit der Ausg. von 1562 oder 1563; wie Anm. 25), o. J. (nach 1572), Titel (Kupferstich) von unbekanntem Künstler, unter Beigravur der Lebensdaten. 27 Z.B. der premier jardinier du Roy Claude Mollet d. Ä. (1557–1647): Le jardin de plaisir, […]. Composé & divisé en onze chapitres par André Mollet, […], Stockholm 1651, Kupferstich von Michel Lasne (vor 1591, oder 1595–1667) zwischen Widmung und Vorrede. – Auch der Holzbildhauer Giovanni Battista Montano (1534–1621): Giovanni Battista Soria, Li cinque libri di architettura di Gio. Battista Montani Milanese, Rom 1684, S. (7), Kupferstich Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
Geschichte Chroniken
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