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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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ßen, die Möglichkeit der gleichberechtigten Teil- habe an der Wissenschaft. Dieser Weg war und ist lang und mühsam und daher sind bis heu- te von Wissenschaftlerinnen kaum künstlerische Abbildungen vorhanden und erst recht keine Denkmäler, die der nachfolgenden Frauengene- ration Wegzeichen sein könnten. Als ich 1989 meine Tätigkeit als Kustodin be- gann, zählten zum Kunstbesitz der Humboldt- Universität fast 400 Kunstwerke, die Wissen- schaftler der Universität darstellen, Denkmäler, Büsten, Gemälde, Zeichnungen, aber kein ein- ziges Abbild einer Wissenschaftlerin. Nur eine gemeinsame Gedenktafel für Otto Hahn und Lise Meitner erinnerte am ehemaligen Chemi- schen Institut an die gemeinsamen Experimente der beiden Wissenschaftler in der Holzbaracke. Seit den 80er-Jahren des vorigen Jahrhun- derts wurde im Flur vor dem Arbeitszimmer des amtierenden Rektors eine Reihe von Gemälden ehemaliger Rektoren der Universität präsentiert. Anfang der 90er-Jahre wollte ich wenigstens mit Fotografien auf besondere Frauen der Universi- tät aufmerksam machen. Doch schon die Foto- recherche gestaltete sich schwierig und nicht sel- ten erfolglos: Frauen waren in der öffentlichen, aber auch historischen Präsentation der Univer- sität nicht sichtbar. Darüber hinaus lehrten mich die folgenden Jahre, dass es noch Jahrzehnte dauern würde, bis es auch von Wissenschaftlerinnen eine nennens- werte Anzahl künstlerischer Abbildungen geben wird. Als langjährige nebenamtliche Frauenbeauf- tragte der Humboldt-Universität war es für mich eine herbe Erkenntnis, dass das wissenschaftliche Œuvre von Frauen – der Gegenwart wie der Ver- gangenheit – keine adäquate künstlerische Prä- senz findet, obwohl schon seit den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts Frauen sich zunehmend auch an der Berliner Universität wissenschaftlich etabliert hatten. Unter diesen Ausnahmefrauen ragte Lise Meitner besonders hervor. Daher entschloss ich mich 2006, der Uni- versitätsleitung den Vorschlag zur Errichtung ei- nes Denkmals für Lise Meitner zu unterbreiten. lise meitner – vom hintereingang zum hauptportal Für die Berliner Universität, die heutige Hum- boldt-Universität zu Berlin, hat Lise Meitner, die eine Reihe von Isotopen entdeckte und mit ihrer experimentellen physikalischen Grundlagenfor- schung maßgeblich zur Erschließung neuer Wis- senschaftsgebiete beitrug, eine besondere Bedeu- tung: 1912 war sie die erste weibliche Assistentin der Berliner Universität und Preußens, 1922 ha- bilitierte sie sich als erste Physikerin Deutsch- lands an unserer Universität und 1926 erhielt sie hier ihren Ruf als ao. Professorin für experimen- telle Kernphysik. Damit war sie die erste Profes- sorin der Berliner Universität und die erste Pro- fessorin für Physik in Deutschland (Abb. 2). Der Beginn ihrer wissenschaftlichen Lauf- bahn war exemplarisch für bildungshungrige Frauen in Deutschland wie auch in Österreich. 1901, mit 23 Jahren, studierte sie als zweite Frau an der Wiener Universität Physik, promovierte hier bei Ludwig Boltzmann und war gemeinsam mit einer weiteren Promovendin damit die zwei- te Frau im Fach Physik. Angetan von den Gast- vorlesungen Max Plancks an der Wiener Univer- sität wollte sie 1907 für einige Semester in Berlin studieren. Doch dann begann sie als „unbezahl- ter Gast“ ihre Zusammenarbeit mit dem Chemi- ker Otto Hahn in der zum Labor umgerüsteten Holzwerkstatt des Chemischen Instituts der Ber- liner Universität. Da es zu dieser Zeit in Preußen Frauen noch untersagt war zu studieren, musste sie sich damit einverstanden erklären, die Labor- räume des Instituts nicht durch die Vorder-, son- dern nur durch die Hintertür zu betreten. In den Folgejahren machten die beiden Wis- senschaftler gemeinsam spektakuläre Entdeckun- gen, wofür 1919 beide erstmalig für den Nobel- angelika keune320 Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
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