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Auf die Tour! - Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
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MännlicheDamen,weiblicheMänner 167 Sondervorstellung indenKammerspielen.VornahezuausverkauftemHausegabesam SamstagindenKammerspielendesDeutschenVolkstheaterszweiwunderhübscheNach- mittagsstunden. Liebenswürdige amerikanischeKünstler,Mr. J. Kalich unddie lustige MaliPicon[!]gabenihrBesteszugunstenderWienerKinder.EswarwirklichStimmung. ... Lieder aus demGhetto,Kinderlieder, reizendeDuette, ... feineChansons eröffneten denLauschendendas jüdischeGemüt und lehrten es lieben.Mit trefflichenTempera- ment tanzteMali Picon eine unsWienern ganz fremdartigeVerwandlungsnummer – Broadway-Typen–,undalsdie reizendeKünstlerinamSchlußgareigeneImitationslie- dersang,mit immerwechselnden,verblüffendenundentzückendenEinfälleninMimik undBewegungdasPublikummitreißend,dahattesieinwenigenMinuteneinedankbare Gemeinde.DasTheaterwurdezumSalon:währendsiesang,plaudertesie inbestemge- genseitigenVerstehenmitunsWienern,machteunsvergnügt, ja siebrachtedasParkett zumMitsingeneinesRefrains;manmochtewollenodernicht,manmußte.[!]199 DemNeuerWienerTagblattzufolgeseidasPublikummitdernochwenigeJahre zuvorgängigenunddurchausweitverbreitetenPraxiseinesGender-Bendings auf denBühnenderVarietés nicht (mehr) vertraut.Das PublikumAnfang der1920er JahrehabedieArtdesWechselnszwischenGeschlechterrollenals befremdlichwahrgenommen.200 UngeachtetdervermeintlichenIrritationdesWienerPublikumsperfektio- nierteMolly Picon den inszeniertenRollenwechsel. Ihrewohl bekannteste AuftrittalsMannbrachtesie imFilmYidlmitnFidl (1936). JosephGreensFilm, deralskommerziell erfolgreichster jüdischerFilmallerZeitengilt,wurde1935 inPolengedrehtundhandelt vonItkeundspäterYidlund ihremVater,die ihrenLebensunterhaltalsMusiker*innenbestritten. YidlmitnFidl isteinefilmischeAuseinandersetzungmitderGeschichteeiner reisendenGruppevonMusikant*innen,die jiddischeLiederundCoupletsan verschiedenstenOrtenaufführen. IndemFilmverkörperteMollyPiconalsdie Violinistinbzw.FiedlerinItkedieHauptrolle. Itkereist zunächst inBegleitung ihresVatersundspäteralsTeil einerGruppeMusiker*innenumher.Auf ihrer Reise tritt sie ineinerkleinenStadtauf, alsplötzlichandereMusikermit ihrer GruppeumdieGunstdesPublikumszukonkurrierenbeginnt.Eskommtzu einer direktenKonfrontation zwischendenMusiker*innen, die schließlich darin endet, dass sichalle eingestehen, gemeinsambesser zuklingen.Nach derFusion setzen sie als Ensemble ihreTournee fort – allerdingsnichtmit Itke, sondernmit Yidl, da ItkesVater fürchtet, eine Tournee sei für sie als Frau zu gefährlich. Die beiden anderenMusiker nehmen Itke sodannwie 199 „Sondervorstellung indenKammerspielen“,NWT,8.8.1921,4. 200 Anzumerken ist,dass inden1910er JahrenauchTravestiekünstler*innen inderPopulär- kultur aktivwurden undRollen bekleideten.MagnusHirschfeld etwa beschäftigte sich zeitgenössischdamit.AnnetteF.Timm,ThePoliticsofFertility inTwentiethCenturyBerlin (Cambridge:CambridgeUniversityPress,2010),46–57. © 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
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Auf die Tour! Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
Titel
Auf die Tour!
Untertitel
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Autor
Susanne Korbel
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21188-4
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
272
Kategorie
Kunst und Kultur
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