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178 Dieurbanen„Busentempel“alsMöglichkeitsräume
wenigvonRelevanzwiedasGeschehenumdieseherum.Interessantundun-
terhaltsamwar lediglichdasGesprächderKartenspieler.Diedurchausderben
Witze, die spitzfindigenPointenunddie amüsantenAnekdotenbehandeln
dabeinurallzu illustrativBegegnungenzwischenJuden, Jüdinnen,Nichtjuden
undNichtjüdinnen.
Aufgrunddes großenErfolgsdiesesThemaswarenbald alleVarietésBu-
dapests undWiens anAntal Oroszis Stück interessiert und adaptierten es
inverschiedeneSprachen.3Rechte fürdessenVerwendungmachtensichdie
Singspielhalleninhaber*innenmitdemAutorunterderHandaus,ein fürden
UmgangmitUrheberrechten imBereichderpopulärenKultur innerhalbder
Monarchie durchaus üblicherVorgang.Allerdings hatte in diesemFall die
WienerPolizeietwasgegendieÜbernahme:
Die ‚Klabrias-Partie‘, die in jüngsterZeit so populär gewordeneburleskePosse,war in
WienGegenstandeines literarischenEigenthums-Prozesses.DerVerfasser ist bekannt-
lichHerrOrossi.AlsnuneineGesellschaftmitBudapesterKräften, geführt vonHerrn
Freiwirth unter der Direktion des Singspielhallen Inhabers Lautzky, nachWien kam,
nahmsie dasWerkOrossi’s ‚DieKlabrias-Partie‘, nachWien zurAufführungmit und
sicherte demVerfasser einenmateriellenGewinn zu. DieWiener Polizeibehörde ver-
bot jedochwegen der vielen enthaltenenPikanterien das Stück undFreiwirth lies die
‚Klabiras-Partie‘ fürWienerVerhältnisseumarbeiten.[!]4
MitdieserUmarbeitung„fürWienerVerhältnisse“wardannallerdingsder
AutorOroszinichteinverstanden,denndieAdaptionentsprachnicht seinem
SinnvongutemAmüsement. „DerBearbeitermachte es sich jedoch, sobe-
hauptetOrossi, rechtbequem, indemereinfachdiePikanterienwegstrichund
diekernigenSpässe,wiediedrolligeSituationbeibehielt“.5
DasStückerlangtedeshalbeinederartigePopularität,weil einesolcheKar-
tenpartie in jedemHoteloderGasthaushättestattfindenkönnen–in jedem
gutenLokal,wieRothschrieb,warenKartentischeund-spieler zufinden–,
3 EinigeBeispiele für inWien aufgeführteAdaptierungendes Stückeswaren Josef Philippi,
DieKlabrias Parthie imAtschanitDorf. NÖLA,NÖReg. Präs.Theater TB–Textbücher
derTheaterzensur 050/08 (aufgeführt 1896 in der Singspielhalle vonKarl Steidler); Josef
Armin, ImBannederKarten–DerKlabrias-Spieler.NÖLA,NÖReg. Präs.TheaterTB–
TextbücherderTheaterzensur117/10(aufgeführtbeiderBudapesterOrpheumgesellschaft
1901); sowieAdolfBergmann,DieKlabriaspartie:EineKaffeehaus-Szene.NÖLA,NÖReg.
Präs.TheaterTB–TextbücherderTheaterzensur155/05(aufgeführt imMaxundMoritz1920).
SieheAbbildung10Titel-undRückseiteeinesProgrammesderFoliesCapricemitu.a.der
Klabriaspartie aufDeutschundUngarischum1900, Sammlung fürTheatergeschichteder
ungarischenNationalbibliothekSzéchényi—.
4 „DieKlabrias-Partie–ein literarischesStreitobjekt“, IAR,8.12.1891,27.
5 Ebda.
© 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien
https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
Auf die Tour!
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
- Titel
- Auf die Tour!
- Untertitel
- Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
- Autor
- Susanne Korbel
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21188-4
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 272
- Kategorie
- Kunst und Kultur