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Singen,SpielenundErzählendarüber,„wasmanunterwegsalleserlebt“ 195
mehrumhin,dieFreizügigkeitderPariserMännerunddieexorbitanthohen
Kosten,diedieserParisaufenthaltmitsichbringt,zuerkennenundzubeklagen.
OParis,vergessenkannmanesnie/Drumruhenwirjetztchapauclaqueallonsfromage
debrie / Jawir fahrenmitdemSchnellzug1.Claß’, /überBergu.Thal, zusausendurch
dieWelt/ ist sehr schöndochkostet es einenHaufenGeld. /Ander Seineder lieblich
schönen/istdieStadtParisgelegen/DieseSeinedieriechtnachMoschus, /unserWien
istnichtsdagegen.[!]62
DasLiedtransportiertdieBewegungdesZuges„überBergundThal“unddie
sinnlicheVerortungderHauptstadtFrankreichsanderSeineebensowiedas
„Vogelhäusel“-großeHotelzimmerunddiePreise inderStadt.Schließlich illus-
triertdasvierSeiten langeQuodlibet,dassnichtnursprichwörtlich, sondern
auchtatsächlichdiemonitärenMittelknappwerdenkonnten: IneinemPari-
serLokalwirdderProtagonistOpfervonTaschendieben,dieseineGeldbörse
entwenden.AusdermisslichenLagemuss ihmseineEhefrauhelfenundsich
einen„französischenKavalier“–oderbessergesagtdessenPortemonnaie–
angeln.AllerdingshilftauchdasnichtwirklichunddasPaaristgezwungen,aus
monetärerNotdieStadtderWeltausstellungfrüheralsgedachtwiederzuver-
lassen.DieRückreise lässtdiebeidenschließlichdieVorzügeWienserkennen.
DerWehmut,die„moderneWelt“, fürdieParis stand,wiederverlassenund
indenAlltagzurückzumüssen, setzensiedieKonfrontationmitderRealität
entgegen.
WirfuhrenheimdanngewöhnlichdritterClaß, /Dannganzstierwar’nwir, ja sowas is
kaSpaß./Baldwar’nwirinderWienerstadt,/diefürunssovielReizehat,/u.riefenfroh
u.glücklichaus, /amallerschönsten iszuHaus, /undesendet, aufdieseWeise /unsere
großeAusstellungsreise /WirkennenjetztdasPariserLeben/gehennimmerhin,denn
WienbleibtWien![!]63
DasMotivdesReisens inLiedernpopulärerKulturgreiftfolglichaucheinen
BlickaufReisenderBourgeoisieauf,wieetwadenBesuchderWeltausstellung.
EinensolchenParisaufenthalt entwarfendieKünstler*innenalsultimativen
Ausdruckeinermodernen,weltoffenenundkosmopolitischenHaltungund
zeigtenimgleichenMomentauchschonwiederdieGrenzendieserauf,wennes
darumging,negativeErfahrungenaufReisenzumachen.DasStückwolltedem
PublikumdieWehmut,Parisnichtsehenzukönnen,nehmen,indemesnegative
Klischeesmit der Rückkehr in die Stadt desWienerCharmes kontrastiert.
Schlussendlichbliebnichtsmehr,als„WienbleibtWien“hinzuzufügen.
62 LouisTaufstein,DieReisenachParis.NÖLA,NÖReg.Präs.TheaterTB–Textbücherder
Theaterzensur116/23.
63 Ebda.
© 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien
https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
Auf die Tour!
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
- Titel
- Auf die Tour!
- Untertitel
- Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
- Autor
- Susanne Korbel
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21188-4
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 272
- Kategorie
- Kunst und Kultur