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Wesentliche Treiber für die Entwicklung eines Verkehrs systems
spiel ist das Parken, für das eine Automatisierung deutliche Kostenersparnisse für die
Erstellung von Parkflächen und aufgrund von Reduzierung des Flächenbedarfs Potenziale
für Umwandlung in andere Nutzungen verspricht. Aber auch Flächen am Stadtrand oder
im Umland werden im Zuge einer denkbaren Neubewertung von Standortwahlkriterien und
steigender Attraktivität als Wohnstandort möglicherweise an Wert gewinnen.
Allerdings darf nicht darüber hinweggesehen werden, dass den genannten Faktoren
große Unsicherheiten gegenüberstehen. Zunächst ist, angesichts grundsätzlicher recht-
licher und ethischer Fragen (s. Kap. 25 und Kap. 4), überhaupt nicht absehbar, in welcher
Geschwindigkeit und in welcher Ausprägung sich städtische Verkehrssysteme mit auto-
nomen Fahrzeugen entwickeln werden.
Auch die Folgen für den Verkehr und damit die Stadtstruktur sind damit derzeit noch
nicht verlässlich prognostizierbar. Mit der Integration autonomen Fahrens als Teil eines
kollektiven, öffentlichen Verkehrssystems dürften sich Carsharing und der Rückgang des
Pkw-Besitzes stärker entwickeln. Eine verstärkte Akzeptanz und Nutzung des „eigenen“
autonomen Pkw dürfte die Perspektiven für den motorisierten Individualverkehr stärken.
Insbesondere in letzterem Fall stellt sich die Frage nach möglichen „Rebound-Effekten“.
Durch Zeiteinsparungen und geringere Nutzungskosten kann es zu einem höheren Konsum
von Mobilität und zur Zunahme der Fahrleistung kommen [22]. Mit einer Zunahme auto-
nomer Fahrzeuge wäre unter diesen Umständen eine Kompensation von Kapazitätsgewin-
nen die Folge.
Allerdings ist auch die Frage danach, wie sich die Höhe der zusätzlichen Kosten für
die Nutzung autonomer Fahrzeuge entwickeln dürfte, derzeit noch nicht beantwortet.
Die in diesem Kapitel analysierten Szenarien gehen auf diesen Punkt nicht plausibel ein,
sondern argumentieren lediglich mit der Annahme, dass die Mobilität auch in der Zukunft
bezahlbar sein wird. Kalkulationen zusätzlicher Kosten für die Ausrüstung von Pkw gehen
jedoch davon aus, dass sich sowohl die Anschaffungs- als auch die Unterhaltungskosten
zunächst deutlich erhöhen dürften [22, 28]). Hinzu kämen Folgekosten für Kommunen
für die Anpassung von Verkehrsinfrastrukturen sowie für die Erschließung neuer Sied-
lungsgebiete in dem Fall, dass die Attraktivität von suburbanen Standorten in der Tat zu-
nehmen würde.
Aus all diesen Aspekten folgt eine hohe Planungsunsicherheit für kommunale und regio-
nale Akteure der Politik, der Verwaltungen, Verkehrsbetreiber sowie der Immobilienwirt-
schaft. Insbesondere die Anpassung von Infrastrukturen des Verkehrs und der Siedlungs-
entwicklung erfordert eine langfristige Herangehensweise einschließlich der entsprechen-
den Regulation und Finanzierung. Veränderungen der Raumstrukturen im Zuge autonomen
Fahrens sind erst dann zu erwarten, wenn die meisten Fahrzeuge auf der Straße automa-
tisiert sind. Solange dies nicht der Fall ist, dürften Verkehrsdichten nicht signifikant steigen,
die Planbarkeit von Trips sich nicht verbessern, der Parkbedarf sich nicht wesentlich redu-
zieren und können Straßenquerschnitte nicht verringert werden. Damit fehlen zumindest
den Akteuren kommunaler Verkehrs- und Stadtplanung derzeit noch wichtige Entschei-
dungs- und Handlungsgrundlagen nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund fehlender Klar-
heit, in welcher Form sich autonomes Fahren mittel- bis langfristig durchsetzen wird.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung