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27713.4
Vehicle-on-Demand
Antriebsmoment verringern kann. Bisherigen Aussagen zufolge ist eine Höchstgeschwin-
digkeit von 25 Meilen pro Stunde entsprechend 40 km/h vorgesehen. Für einen Einsatz bis
120 km/h erscheint dieses Konzept kaum geeignet.
Für die klassische einspurige Zweiradanordnung mit Rädern hintereinander können
ebenfalls verschiebbare Massen eingesetzt werden, wobei der Platzbedarf für die Verschie-
bemöglichkeit in Querrichtung schwieriger als in Längsrichtung bei einem einachsigen
Zweirad zu befriedigen ist. Daher erscheint ein Lenkaktor, der das Balancieren übernehmen
kann, für eine autonome Motorradführung aussichtsreicher. Allerdings bleibt fraglich, ob
ein solches Konzept den Mobilitätswunsch für ein Vehicle-on-Demand erfüllen kann. Eine
Vollverkleidung ist umständlich und erhöht die Seitenwindempfindlichkeit stark. Aus-
zuschließen ist es jedoch nicht, denn zusätzlich zum Wetterschutz erhöht ein umschließen-
der Rahmen die Sicherheit, wie der von 2000–2003 produzierte Motorroller BMW C1
demonstrierte [14]. In einer solchen Ausstattung ist ein einspuriges zweirädriges Vehicle-
on-Demand denkbar, eventuell mit Stützrädern für sehr niedrige Geschwindigkeiten und
den Stand ausgerüstet. Ob allerdings die besondere Mobilität von Einspurfahrzeugen, wie
die Vorbeifahrt an aufgestauten Kolonnen, autonom fahrend umgesetzt werden kann, ist
wieder eine andere Frage.
Eine gemeinsame Möglichkeit besitzen beide Ansätze: Sie können in einer Richtung
kraftfreies Fahren liefern. Beim einachsigen Zweirad kann die Längskraft, beim einspuri-
gen die Querkraft auf die Insassen vollständig kompensiert werden. Ob ein passiv die Fahrt
erlebender Passagier dies als angenehm empfindet, ist allerdings offen.
Ab drei Rädern ist ein Fahrzeug ohne Regelung stabil, sofern der resultierende Kraft-
vektor aus Trägheits- und Schwerkraft die Fläche zwischen den die Radaufstandspunkte
umfassenden Verbindungslinien nicht verlässt. Abhängig von der Höhe des Schwerpunkts
hs und der zu berücksichtigenden Fahrdynamikgrenzen durch den maximalen Reibbeiwert
ȝmax beschreibt die Fläche des resultierenden Vektors mit der Fahrbahn einen Kreis mit dem
Radius r h a g h
μres
S max S
max=
⋅ =
⋅/ um den Mittelpunkt (s. Abb. 13.6). Der Mittelpunkt
folgt aus der Projektion des Schwerpunkts in die x-y-Fläche der Fahrbahn. Die Fahr-
dynamikgrenzen ergeben sich aus den (betragsmäßigen) maximalen, auf die Erdbeschleu-
nigung bezogenen Längs- und Querbeschleunigungen (hier als amax /g für beide Richtungen
gleich angenommen). Schneiden die äußeren Verbindungslinien der Radaufstandspunkte
diesen Kreis, so besteht eine Kippgefahr schon im definierten Fahrdynamikbereich. Liegen
sie außerhalb, so kann trotzdem unter ungünstigen Bedingungen ein Fahrzeug kippen, wie
das berühmt gewordene Beispiel der ersten Mercedes-Benz A-Klasse bewies (weitere
Details finden sich in [15]).
Die zur Kippsicherheit minimal nötige, durch die Radaufstandspunkte festgelegte soge-
nannte Footprint-Fläche ist bei einem Dreiradfahrzeug A
rFP
res,3
23
3 und somit um ca.
30 % größer als die quadratische Umfassung. Schwerwiegender ist die um 50 % größere
minimale Breite eines dreirädrigen Fahrzeugs, das anders als in Abb. 13.6 mit zwei Eck-
punkten in Längsrichtung orientiert ist (ansonsten in der gezeigten Lage 73 % vergrößerte
Breite). Daher wird ein dreirädriges Fahrzeug mit rein statischer Abstützung auch als
autonomes Fahrzeug kaum Anwendung finden.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung