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Fahrzeug, Umwelt und lernender Fahrer
Reaktions-Automatismus beschrieben, den der Mensch in alltäglichen Routinesituationen
ohne intensive Inanspruchnahme von kognitiven Fähigkeiten bewältigt.
Kognitiv anspruchsvoller gestaltet sich das regelbasierte Verhalten. Zusätzlich zur
Wahrnehmung und zur motorischen Aktion ist für das regelbasierte Verhalten eine assozi-
ative Zuordnung notwendig. Hierbei ordnet der Mensch die erkannte Situation einer ihm
bekannten Regel zu und wählt basierend darauf aus einem Repertoire an Verhaltensregeln.
Diese Regeln hat der Mensch zielgerichtet gelernt oder sich von vergangenen Situationen
und Handlungen gemerkt („gespeichert“). In diesem Zusammenhang besitzt der Mensch
die Fähigkeit, ähnliche Situationen zu identifizieren und somit gelernte Regeln auf ähnliche
Situationen zu übertragen.
Treten Situationen auf, die für den Menschen neu sind und für die keine trainierten
Handlungen vorliegen, agiert der Mensch wissensbasiert. Dazu versucht der Mensch, ba-
sierend auf seinem trainierten Wissen, die Handlungsalternativen, die zur Auswahl stehen,
zu generieren und zu bewerten. Die subjektiv optimale Alternative wird ausgewählt und
ausgeführt.
Rasmussens [1] Verständnis von zielgerichtetem Handeln macht deutlich, was mit dem
lernenden Fahrer gemeint ist. Zu Beginn der Fahrer-„Karriere“ wird in der Theorieaus-
bildung der Fahrschule das Grundlagenwissen über den Straßenverkehr aufgebaut und
abgeprüft. Dabei setzt dieses Wissen auf dem bereits erworbenen Wissen durch das Leben
in der Gesellschaft auf. Zusätzlich wird regelbasiertes Verhalten durch Theorie- und
Praxisunterricht trainiert. Mit abgelegter Führerscheinprüfung darf der Mensch nun
ohne weitere Unterstützung am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen (Ausnahme: be-
gleitendes Fahren beim Führerschein mit 17). Jedoch hat der Mensch zu diesem Zeitpunkt
weder alle Regeln erlernt noch das Wissen erarbeitet, das für das zukünftige Leben im
öffentlichen Straßenverkehr benötigt wird. Mit jeder Erfahrung, die Menschen sammeln,
verschiebt sich das Verhalten von wissensbasiert zu regelbasiert und von regelbasiert
zu fertigkeitsbasiert. Das Training ermöglicht somit eine Effizienzsteigerung des mensch-
lichen Verhaltens [1].
Zieht man Zahlen für verunglückte Pkw-Fahrer pro einer Million Kilometer Verkehrs-
leistung heran, dann sinkt nach Oswald und Williams [3, 4] das Risiko mit dem fortschrei-
tenden menschlichen Alter, bis es ab 40–50 wieder zu steigen beginnt. Nach Burgard [5]
sind dafür neben charakterlichen Kompetenzen (Persönlichkeit) sowie psychischen und
physischen Voraussetzungen auch die Erfahrungen verantwortlich, die aus dem Alter fol-
gen. Wird das Verarbeiten der Erfahrungen als Lernprozess gesehen, trägt die Fähigkeit des
Lernens zu einer Verbesserung der Fahrkompetenz bei [6].
Würde der Straßenverkehr klaren Regeln folgen, die dem Menschen bekannt sind, so
müsste er das oben beschriebene Verhalten nicht zeigen. Es handelt sich beim Straßenver-
kehr jedoch um ein offenes System, bestehend aus statischen und dynamischen Objekten
sowie einer Vielzahl von Umfeldeinflüssen, wie beispielsweise Helligkeit oder Nieder-
schlag. Wenn auch in geringerem Umfang, verglichen mit Fahranfänger/innen, treten da-
durch für erfahrene Teilnehmer des Straßenverkehrs weiterhin unbekannte Situationen auf,
die es zu bewältigen gilt. Weil der Mensch eben dieses wissens-, regel- und fertigkeits-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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