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Lernen autonome
Fahrzeuge?480
Bleibt die Geschwindigkeit zwischen den Fahrzeugen nicht konstant, wird die Enhanced
TTC angewandt. In der ISO 22839 wird diese hergeleitet zu
ETTC v v a x
a
r r r c
r
= − − ⋅
⋅2
2 .
Diese Gleichung gilt nur, solang die relative Beschleunigung a a
ar
obj
ego=
−( ) konstant
bleibt. Verzögert ein Fahrzeug in den Stillstand, ist die Gleichung anzupassen (s. dazu [39]).
Bei diesen Werten handelt es sich um Bewertungen eines Zustandes, entsprechend einer
Situationsaufnahme. Um die situationsübergreifende Bewertung der Fahrsicherheit zu er-
möglichen, werden von [40] folgende Verfahren empfohlen:
Number Of Conflicts (NOC),
Time Exposed TTC (TET),
Time Integrated TTC (TIT).
Die Namen der Verfahren sprechen für sich, sodass an dieser Stelle nicht weiter darauf
eingegangen, sondern auf [40, 41] verwiesen wird. Weitere einfache Maße sind die Zeit-
lücke (time headway)
t x
vh c
ego
sowie die notwendige Verzögerung areq, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. In [41–43]
sind weitere Ansätze basierend auf den zuvor erläuterten zu finden.
Werden nun zusätzlich Fahrzeuge, Objekte und Beschleunigungen in lateraler Richtung
betrachtet, beispielsweise für die Untersuchung von Kreuzungssituationen, müssen die
Maße für eine Sicherheitsbewertung erweitert werden. Der wohl einfachste Ansatz ist die
Post-Encroachment Time (PET). Diese zeitliche Größe ist von [44] definiert als “time be-
tween the moment that the first road user leaves the path of the second and the moment that
the second road user reaches the path of the first”.
Aufgrund der Betrachtung der lateralen Richtung stehen nicht mehr nur zwei Objekt-
Fahrzeuge in Beziehung zu dem Ego-Fahrzeug, sondern weitere Objekte. Diese können
statisch, aber auch dynamisch aus prinzipiell allen Richtungen der Fahrzeugebene Einfluss
auf die Sicherheitsbewertung haben. Tamke [45] liefert hierfür einen Ansatz, indem gegen-
über allen Objekten in der Umgebung des Ego-Fahrzeugs beispielsweise mit der eukli-
dischen Norm der Abstand sowie die zeitliche Ableitung des Abstands bestimmt wird.
Basierend auf diesen Größen wird die TTC bestimmt, indem mithilfe einer Verhaltens-
prädiktion die Zeit bis zum Kontakt der Fahrzeughüllen ermittelt wird. Dieser Ansatz wird
an dieser Stelle noch den deterministischen Verfahren zugeordnet, da das Verhalten des
Ego-Fahrzeugs sowie der dynamischen Objekte dem „constant turn and constant accelera-
tion-Ansatz“ folgen. Der Ansatz an sich liefert jedoch die Möglichkeit, die Prädiktion des
Verhaltens auch nichtdeterministisch zu gestalten.
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