Seite - (000684) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Bild der Seite - (000684) -
Text der Seite - (000684) -
Gesellschaftliche Risikokonstellation für autonomes Fahren – Analyse,
Einordnung662
30.1 Einleitung
Der technische Fortschritt verändert die gesellschaftlichen Risikokonstellationen. Vielfach
kommt es zu deutlich höherer Sicherheit und entsprechend positiven Folgen wie Gesund-
heit, längerer Lebenserwartung und größerem Wohlstand. Die Neuheit technischer Inno-
vationen bringt jedoch zwangsläufig häufig auch nicht intendierte und nicht vorherge-
sehene Folgen mit sich, darunter auch neue Risikotypen. Aufgabe der Technikfolgenab-
schätzung ist es, neben den Innovationspotenzialen auch frühzeitig mögliche Risiken zu
untersuchen und dadurch zu einer vernünftigen Abwägung und Entscheidungsfindung
beizutragen [10].
Das autonome Fahren stellt in vieler Hinsicht eine attraktive Innovation für die Zukunft
der Mobilität dar. Mehr Sicherheit, ein Gewinn an Komfort, die Nutzung der für das Fahren
benötigten Zeit für andere Zwecke und Effizienzgewinne auf Systemebene gehören zu
den vielfach erwarteten Vorteilen [4]. In Systemen und Technologien autonomen Fahrens
sind jedoch – wie ganz grundsätzlich bei Technik – Fehler nicht auszuschließen, die zu
Unfällen mit Sach- oder Personenschäden führen können. Die zentrale Rolle von Software
kann zu systemischen Risiken führen, wie aus der Internet- und Computerwelt hinlänglich
bekannt. Auch an ökonomische Risiken ist zu denken, z. B. für die Automobilindustrie,
genauso wie an soziale Risiken etwa im privaten Bereich. Frühzeitige und umfassende
Analyse und Bewertung möglicher Risiken des autonomen Fahrens sind unabdingbarer
Bestandteil eines verantwortlichen Forschungs- und Innovationsprozesses und damit
gleichermaßen notwendige Bedingungen einer individuellen wie auch allgemeinen ge-
sellschaftlichen Akzeptanz. Vor diesem Hintergrund sollen in diesem Kapitel Antworten
auf folgende Fragen gegeben werden, wie sie spezifisch für die Technikfolgenabschätzung
sind:
Welche spezifische gesellschaftliche Risikokonstellation liegt beim autonomen Fahren
vor? Wer könnte durch welche Schäden und mit welcher Wahrscheinlichkeit betroffen
sein?
Was kann aus den bisherigen Erfahrungen mit Risikodebatten zum technischen
Fortschritt für Entwicklung und Einsatz des autonomen Fahrens gelernt werden?
Wie kann das gesellschaftliche Risiko für die Herstellung und den Betrieb von
autonomen Fahrzeugen nachvollziehbar bewertet und verantwortlich organisiert
werden?
Antworten auf diese Fragen sollen vor allem das Augenmerk auf möglicherweise pro-
blematische Entwicklungen lenken, um sie gegebenenfalls in Designentscheidungen oder
Regulierungen berücksichtigen zu können, und damit zur verantwortlichen und transparen-
ten Organisation des gesellschaftlichen Risikos beitragen.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung