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Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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Gesellschaftliche Risikokonstellation für autonomes Fahren – Analyse, Einordnung676 Endlager Gorleben, darüber hinaus aber auch beträchtliche und wachsende Teile der deut- schen Bevölkerung. Die Kernenergie ist eine typisch lebensweltferne Technologie. Auch wenn von dem erzeugten Strom viele profitieren, ist die Quelle des Stroms nicht sichtbar, wie die Rede- weise zeigt, dass „der Strom aus der Steckdose“ komme. Die Möglichkeit eines GAU mit katastrophalem Schadenspotenzial, wie etwa in Tschernobyl und Fukushima real gesche- hen, die Tatsache, dass deswegen keine Versicherungsgesellschaft bereit war und ist, die Risiken der Kernkraftwerke zu versichern, die radioaktiven Hinterlassenschaften, die für eine extrem lange Zeit Belastungen erzeugen – all dies zeigt, dass die Risikokonstellation der Kernenergie eine absolut andere als die des autonomen Fahrens ist. Nur in einem Punkt könnte gelernt werden: Die frühe Kernenergiedebatte in Deutschland war geprägt von einer Arroganz der Ex- pertinnen und Experten, die damals fast sämtlich Kernenergiebefürworter waren, gegen- über Kritik. Sorgen aus der Bevölkerung wurden nicht ernst genommen, sondern Kritiker wurden als irrational, vorgestrig oder unwissend dargestellt [14]. Auf diese Weise wurde Vertrauen in mehrfacher Hinsicht verspielt: Vertrauen in das Geflecht aus Experten, Wirt- schaft und Politik, das hinter der Kernenergie stand, Vertrauen in das Funktionieren demo- kratischer Prozesse und Vertrauen in das Expertentum in diesem Feld, aber auch darüber hinaus. Man kann aus der Risikodebatte zur Kernenergie lernen, wie wichtig Vertrauen in Institutionen und Personen ist, und wie rasch dieses verspielt werden kann. Grüne Gentechnik Die Risikokonstellation in der Debatte zur Grünen Gentechnik ist in anderer Hinsicht inte- ressant. Trotz einer rhetorischen Fokussierung auf Risiken, z. B. durch Freisetzung und unkontrollierte Verbreitung gentechnisch veränderter Organismen, ist das eigentliche The- ma weniger die konkrete Größe dieses Risikos, sondern eher die Verteilung von Risiken und Nutzen. Denn der Endverbraucher hätte (anders als bei der Gentechnik für medizini- sche Zwecke) keinen ersichtlichen Nutzen aus gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln. Bestenfalls wären die gentechnisch veränderten Nahrungsmittel nicht schlechter als die traditionell erzeugten. Der Nutzen käme vor allem den Lebensmittelkonzernen zugute. In Bezug auf mögliche gesundheitliche Risiken (z. B. Allergien) sähe es jedoch gerade anders aus: Sie würden die Nutzerinnen und Nutzer betreffen. Das ist natürlich für diese eine schlechte Bilanz: vom Nutzen ausgeschlossen, aber möglichen Risiken ausgesetzt. Diese Sicht dürfte eine plausible Erklärung für mangelnde Akzeptanz sein und die Lehre erlau- ben, beim autonomen Fahren nicht nur auf abstrakten Nutzen (z. B. für die Volkswirtschaft oder die Umweltbilanz) abzuheben, sondern den Nutzen für die „Endverbraucherinnen und -verbraucher“ in den Mittelpunkt zu stellen. Ein Zweites kommt hinzu: Der Versuch der Lebensmittelkonzerne, vor allem von Monsanto, die Grüne Gentechnik mit Macht in Europa durchzusetzen, hat gerade das Misstrauen und den Widerstand beflügelt. Druck und massiver Lobbyismus führen in sen- siblen Bereichen wie bei Nahrungsmitteln zur Sensibilisierung der Verbraucherinnen und Verbraucher und zu Misstrauen. Ein „Durchdrücken“ von neuen Technologien in lebens-
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Autonomes Fahren Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung
Titel
Autonomes Fahren
Untertitel
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Autoren
Markus Maurer
Christian Gerdes
Barbara Lenz
Hermann Winner
Verlag
Springer Open
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
78-3-662-45854-9
Abmessungen
16.8 x 24.0 cm
Seiten
756
Kategorie
Technik
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