Seite - 378 - in Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Bild der Seite - 378 -
Text der Seite - 378 -
Die Bautätigkeit unter Rudolf I. und Albrecht I. von
Habsburg378
gebäuden an der Nordseite der Kirche betreten werden konnte. Bis heute erhalten
hat sich ein schmaler Aufgang an der Außenseite des Langhauses , der den Zugang
des Zelebranten zur Nonnenempore für die Kommunionspendung ermöglichte.
An der Westseite des Langhauses ist das ursprüngliche Eingangsportal erhalten ,
das sich seit dem Anbau eines spätgotischen Westturmes in einer Vorhalle befin-
det. Das Portal besitzt ein spitzbogiges Trichtergewände mit einer Abfolge von
Rundsäulen und Birnstäben , die in gleichartig profilierten Archivoltenstufen
fortgesetzt sind. Ein in Blattwerk skulptierter Kapitellfries verläuft verkröpft um
die Gewändevorlagen. Der Kapitelsaal des Klosters , der 1961 abgetragen und ge-
meinsam mit drei Jochen des Kreuzgangs von St. Bernhard nach Klosterneuburg
übertragen und wiedererrichtet wurde1253 , zeigt mit seinen Achteckpfeilern und
den gekehlten Bandrippen eine Fortsetzung der Gestaltungsformen des Dormi-
toriums in Heiligenkreuz , die Öffnungen des Kapitelsaals besitzen jedoch schon
fortschrittliche Maßwerkgliederung.
Die übrigen , gar nicht wenigen Werke der österreichischen Architektur in den
beiden letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts bieten ein uneinheitliches Bild.
Teilweise setzten sich Errungenschaften der ottokarischen Zeit weiter fort. Dies
gilt vor allem für die Bettelordensarchitektur.
Retz
Verhältnismäßig fortschrittlich erscheint der Neubau einer Bettelordenskirche in
Retz. Graf Berchtold von Rabenswalde-Schwarzburg , ein Gefolgsmann König
Rudolfs von Habsburg , war 1278 von diesem mit der Grafschaft Hardegg belehnt
worden und legte 1279 in seiner neuen Funktion die Neustadt von Retz südlich
der bestehenden Altsiedlung planmäßig an1254. Die Stadt erhielt einen Rechteck-
grundriss von 400 m Länge und 280 m Breite. Die Lage zweier befestigter Stadt-
tore im Norden und Süden wurde durch den Verlauf der von Krems über Pulkau
nach Znaim im Norden führenden Straße bestimmt. Bei der Stadtanlage wurde
ein Parzellierungsschema gewählt , das jenem der ottokarischen Zeit weitgehend
folgte. Die Stadt erhielt einen zentralen Rechteckplatz von 70 × 170 m Seitenlänge ,
einen inneren Straßenring und einen Kranz von Randparzellen , ganz ähnlich wie
in den Gründungsstädten Ottokars II. Přemysl. Die Ecken der Stadtbefestigung
wurden durch massive Bauten zusätzlich gesichert. In der Nordostecke lag das
Haus im Winkel eines Vasallen , die Südostecke wurde durch den herrschaftlichen
Meierhof gesichert. In der Nordwestecke befand sich die Stadtburg , die bereits vor
der Anlage der Stadtbefestigung erbaut worden war1255.
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur