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156 WeertCanzlerundAndreasKnie
fangreichendirektenundindirektenSubventionenderprivatenAutonutzung
–vomDienstwagenprivilegüberdasAnwohnerparkenauföffentlichenStra-
ßenbis zurEntfernungspauschale imSteuerrecht– ihreLegitimation.Auch
die Infrastrukturplanung istnachwievoramLeitbildderVollmotorisierung
ausgerichtet.
WarumregulatorischeExperimentierräume?
Zwar ist es längst überfällig, diePrivilegien fürdasprivateAuto abzuschaf-
fenunddie rechtlichensowiesteuerlichenRahmenbedingungenzuentrüm-
peln sowie die heftige Schlagseite in der Bundesverkehrswegeplanung zu-
gunstendesStraßenverkehrszubeseitigen.Ebensoüberfälligistesbeispiels-
weise,endlichGeschwindigkeitsbeschränkungenaufAutobahnenundTempo
30alsRegelhöchstgeschwindigkeit inStädtendurchzusetzen.Schließlich ist
esnötig,dieexternenKostendesmotorisierten Individualverkehrszu inter-
nalisieren und dafür auch die Instrumente einer streckenabhängigenMaut
sowie einer City-Maut einzusetzen (Becker 2016; SRU 2017). Doch besteht
derzeit kaum Aussicht auf eine Umsetzung der notwendigen weitreichen-
denReformenzurUnterstützungderVerkehrswende.Dahersprichtvielesfür
das Mittel des regulatorischen Experimentierraumes: Veränderungen sind
vorstellbar, wenn der Staat die nötigen Reformen nurmal probeweise so-
wie orts-undzeitlichbegrenzt vornimmtundsichdabei auchversuchswei-
se neueVerbündete sucht.Manhätte dann immerdieChance,wieder zum
Ausgangspunktzurückzukehren–fallsgewünscht.EineneueKulturdesEx-
perimentierenswürdeeserlauben,denbereitserkennbarenneuenPraktiken
aucheinenentsprechendenExperimentierraumeinzuräumen,umauszutes-
ten,obsichdervonVorreiterngelebteAlltagverallgemeinernundstabilisie-
ren lässtundwelcheFolgenmöglicherweisezuerwartensind.DennExperi-
mente sind ja nichts anderes als von »Konsequenzen entlastetes Probehan-
deln«(Krohn/Weyer1989: 109).AllerdingsdarfesnichtbeiForschungsprojek-
ten und demAufstellen von Förderkulissen bleiben.Die Vergangenheit hat
gezeigt,dassgroßestaatlicheForschungsförderungsprogrammehäufigoder
auchdie viel beachteteNationale PlattformElektromobilität (NPE) letztlich
nur Alibi-Veranstaltungen sind. Tatsächliche Änderungen können nicht zu-
stande kommen,weil die Bedingungen, unter den gehandeltwerdenmuss,
nicht verändert werden oder ihre Änderung nur als unverbindliche Option
kommuniziertwird.DieÄnderungenmüssen als reale Experimente imAll-
tagerlebbarseinundTeil einer Interventionslandschaftwerden.
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik