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Luxusmodelle fürdenKlimaschutz? 173
automatisierteundautogerechteStadtmitnochgrößeremFlächenbedarf im
öffentlichenRaum.
E-Carsharing-Angebotesindnichtgeschlechtergerecht
Mit einer nachfrageorientierten Betrachtung der digitalen Transformation
aufdemWegzueiner sozial undökologischnachhaltigenVerkehrsentwick-
lungmüssenauchsozialräumlicheAspektevonGeschlechtergerechtigkeit in
denBlickrücken.Mobilitätsangebotewerdenimmernochvoneinemmarkt-
orientiertenWohlstandmodell abgeleitet–undsomitderNotwendigkeitdes
Pendelns zwischenWohnen undArbeit.Die fortbestehende geschlechtliche
Arbeitsteilung, die Frauen (insbesondere in der Familienphase) einen signi-
fikant höherenAnteil derReproduktionsarbeit undMännern einenhöheren
Anteil anErwerbsarbeit zuweist, schlägt sichauch indenMobilitätsmustern
und der Verkehrsmittelwahl nieder (Spitzner 2005, VCÖ 2009).Männer le-
gen imDurchschnitt längereStreckenzurückundverfolgeneinenHauptwe-
gezweck: die Erwerbsarbeit. Frauen kombinieren in höherer Anzahl unter-
schiedliche Ziele wie Erwerbsarbeit undVersorgungsarbeit zuWegeketten.
TrotzderkomplexerenräumlichenMobilitätsmusterundTransporterforder-
nisse nutzen Frauen imDurchschnitt weniger Automobilität undmehr öf-
fentlichenNahverkehr.Studiender feministischenVerkehrsforschungsehen
dieGründezumeineninEinkommensunterschiedenundUmweltschutzprä-
ferenzenundzumandereninderAutomobilitätspräferenzvonMännern,die
sich immernochaneinermitMaskulinitätverbundenenVerkehrsmittelwahl
orientiert – insbesonderewenn es sich umPS-starke PKWmit technologi-
schenInnovationenhandelt (Spitzner2005; sieheauchdenBeitragvonHaas
undJürgensindiesemBand).AuchdieVerkehrsplanungundVerkehrspolitik
gehörenzudenBereichenderStadtregierung,diedeutlichmännerdominiert
sindund indenenMobilitätszwecke zurSorgearbeit undAnsprücheanFle-
xibilitätundZugänglichkeitgegenüberMobilitätszweckenzurErwerbsarbeit
mit linearenVerbindungenzuStoßzeitenvernachlässigtwerden.
Obwohl sich aktuell die Trennung in weibliche Haus- und männli-
che Lohnarbeit zunehmend auflöst, da immer mehr Frauen auch einer
Erwerbsarbeit nachgehen und sich somit teilweise eine Entkopplung der
Reproduktionsarbeit von weiblichen Geschlechternormen durchsetzt, sind
esbislang immernochüberwiegendFrauen,die fürdieReproduktionsarbeit
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik