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184 JörgRadtkeundJürgenDaub
Die Identifikation einer dritten Dimension ist indes nicht neu, da in
der Siedlungs- undWirtschaftsgeographie schon längerMittelzentren und
Oberzentren beschrieben werden, welche in Form der Oberzentren auch
deckungsgleichmitderZuordnungderRegiopole ist (Schmidt-Lauber2010).
Es handelt sich daher eher um eine Ergänzung, die auf besondere Cha-
rakteristika verweist, die Regiopole zusätzlich abheben. Diese Merkmale
beziehen sich auf (1.) eine Einwohnerzahl der Kernstadt oder des Städte-
verbundes von über 100.000 Einwohner*innen, (2.) eine Lage außerhalb
einerMetropolregion sowie (3.) das Vorliegen eines gewissen Potenzials an
Wissenund Innovation
–gemessenamStatus alsUniversitätsstandort oder
großem Fachhochschulstandort. Zudem bestehen häufig gut ausgebaute
und stark frequentierte Infrastruktureinrichtungen; die Anbindungen an
Nachbarregionen (auch länderübergreifend und grenzüberschreitend) sind
stark ausgeprägt.Regiopole verfügenüber eine starke regionaleWirtschaft,
auchgrößereUnternehmensindhier angesiedelt–häufigdie sogenannten
HiddenChampions,alsowenigbekannteWeltmarktführereinesSegments.
In Deutschland wurde die Region Rostock seit 2007 wissenschaftlich
untersucht und seit 2012 offiziell als Regiopole eingestuft. Es existieren 33
Regiopole inDeutschland (Aring/Reuther 2008: 24). Im Jahr 2016 gründete
sichdas »DeutscheRegiopole-Netzwerk«,demsichdie StädteBielefeld,Er-
furt,Paderborn,Rostock,SiegenundTrieranschlossen.DasKonzeptunddie
Initiativen der Städte war auchmit entwicklungs- und strukturpolitischen
Hoffnungen verbunden.Die Potenziale derRegionen sollten besser genutzt
undeinerwachsendenUngleichheit zwischendenherausragendenurbanen
Zentren und Provinzen durch engere Zusammenarbeit entgegengewirkt
werden. Die Universitätsstadt Siegen ist mit 100.000 Einwohner*innen
eine typischeRegiopole, zumal inderRegion zahlreiche erfolgreicheUnter-
nehmen imGeräte- undMaschinenbau- sowie imMetallsektor angesiedelt
sind. Die Stadt nimmt eine wichtige Knotenpunkt-Funktion zwischen den
BallungsräumendesRuhrgebiets,desRheinlandssowiederMainregionein.
DieRegiopole ist somitmehralseinegrößereStadt,dasieüberEinrich-
tungenundInfrastrukturenverfügt,diesievonanderenStädteninMetropol-
räumenunterscheiden(wieetwaStädtendesRuhrgebiets).Vonentscheiden-
derBedeutungbezogenaufdenSektorVerkehrundMobilitätistdasEinzugs-
gebietderRegiopole,welcheszumeistüberweitmehrEinwohner*innenver-
fügt als dieKernstadt selbst, unddieVerkehrsströmeund -wegewesentlich
prägt.Verkehr,insbesonderePendler*innenverkehr,spieltdahereineheraus-
ragendeRolle–sowohlbezogenaufdenIndividualverkehr(vorallemArbeits-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik