Seite - 283 - in Baustelle Elektromobilität - Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
Bild der Seite - 283 -
Text der Seite - 283 -
Die ressourcenpolitischeAbsicherungdesE-Autos 283
Verbrennungsmotor überwindenmussten. Für die Konkurrenten der euro-
päischenAutomobilbranchebietetdasE-AutoeineeinzigartigeGelegenheit,
die technologischenVorsprüngebei»schmutzigen«VerbrennernaußerKraft
zusetzenundmit»sauberen«TechnologienzurElektrifizierungdesVerkehrs
einen Entwicklungsschritt zu überspringen (leapfrogging). Die europäischen
Autokonzerne hingegen haben einen erheblichenNachholbedarf; auch hin-
sichtlich der Rohstoffbeschaffung, die für dieDigitalisierungundElektrifi-
zierung so bedeutsam sind. Ihre erfolgreiche Spezialisierung auf Benziner
undDieselfahrzeugesowie insbesondere ihreProfite imhöherpreisigenSeg-
ment könnte sie andernfalls noch teuer zu stehen kommen; dannnämlich,
wenndieVersorgungssicherheitmitRohstoffenoderderZugangzudenAb-
satzmärkten des Auslands durch anspruchsvolle Grenzwerte für Luftschad-
stoffe,QuotenfürElektrofahrzeugeoderVerbotevonVerbrennungsmotoren
erschwertoderverunmöglichtwerden.
Auch die rechtlichen Grundlagen der Automobilität haben sich grund-
sätzlich verändert: Während die Bundesregierung den Absatz von E-Autos
auf freiwilliger Basis und mit Subventionen ankurbeln will, kommen von
derEUverbindlicheVorgaben.Anfang2019habennachderEU-Kommission
und dem Europaparlament auch die Mitgliedsstaaten dem Flottenziel zu-
gestimmt. Demnach müssen die CO2-Emissionen der Flotte je Hersteller
zwischen 2021 und 2030 um 37,5 % gemindert werden. Als Grenzwert gilt
ab 2020 95g CO2/km für alle neu zugelassenen Autos, was in etwa dem
durchschnittlichenVerbrauch von 3,6 LiterDiesel beziehungsweise 4,1 Liter
Benzinauf 100kmentspricht.Damit versuchtdieEUsicherzustellen,dass
die klimapolitischen Ziele imVerkehrsbereich in Zukunft erreicht werden.
DieKonzernemüssendafürdenAnteil anE-Autosdrastisch erhöhen,wenn
sie auch weiterhin ihre schweren und durstigen Sport Utility Vehicles (SUV)
undLuxuslimousinenverkaufenwollen.BeiNichteinhaltungderFlottenziele
drohendenAutokonzernenStrafzahlungen inMilliardenhöhe.
Ihnenkommtentgegen,dassvollelektrischeE-Autosals »Nullemissions-
fahrzeuge« gelten, was faktisch nicht der Fall ist, wenn der gesamte Fuß-
abdruck von der Rohstoffförderung bis zur Stilllegung berücksichtigtwird.
BeimderzeitigenStrom-MixfahrenauchvollelektrischeE-Autosnichtemis-
sionsfrei. Auch Hybrid-Fahrzeuge werden als klimafreundlich dargestellt,
wenngleich diesemeistmit nur leistungsschwachen Batterien ausgestattet
sind, sodassderVerbrennungsmotor raschzugeschaltetwerdenmuss.Und
schonbei ihrerHerstellungentstehenbedingtdurchdie energieaufwendige
Herstellung der Batteriezellen etwa 60 %mehr Treibhausgasemissionen als
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik