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52 | Eva Tropper
Mehrsprachigkeit durchzudenken und an Beispielen aus der historischen Unter-
steiermark/Spodnja Štajerska zu erproben.
ZUR ENTWICKLUNG UND KRITISCHEN ERWEITERUNG
DER LINGUISTIC-LANDSCAPES-DEBATTE
Seit der Begriffsfindung und Expansion des Forschungsfeldes der Linguistic
Landscapes hat eine theoretische und methodische Reflexion stattgefunden, die
hier kurz umrissen werden soll. Die Ursprünge der LL liegen im Wesentlichen in
Studien zu Sprachpolitik und staatlichen Steuerungsmaßnahmen. Im Wesentli-
chen geht es dabei um die Frage der Dominanz dieser oder jener Sprache(n) im
öffentlichen Raum – vor allem im Zusammenhang mit Sprachentscheidungen wie
etwa auf Ortstafeln, die in der Verantwortung des Staates liegen. Die Terminolo-
gie von „government signs“ versus „private signs“16, auch als „top-down“ versus
„bottom-up“-signs17 bezeichnet, ist in diesem Zusammenhang zu einem wesentli-
chen methodischen Instrumentarium avanciert. In der Tat können der Staat bzw.
regionale Verwaltungen über Aufschriften im öffentlichen Raum – etwa auch auf
öffentlichen Gebäuden und in anderen Zusammenhängen mit offiziellem Charak-
ter – einen systematischen Einfluss auf die Linguistic Landscape in einem Terri-
torium nehmen, während der Bereich der private signs weniger stark kontrollier-
bar ist. Denn über die sprachliche Gestaltung etwa der Fassade eines Geschäfts
oder Gasthauses, einer Werbetafel oder eines Plakats entscheiden nicht offizielle
Stellen, sondern individuelle Akteure. Es herrscht ein gewisser Forschungskon-
sens, dass der Bereich privatwirtschaftlicher Zeichen daher oft von deutlich grö-
ßerer sprachlicher Vielfalt geprägt sei.18 Ein starkes Auseinanderstreben der bei-
den Ebenen zeuge hingegen von einer relativ inkohärenten Linguistic Lands-
cape.19 Im Zusammenhang mit dem Verhältnis einer dominierenden zu einer oder
mehrerer minoritärer Sprachen standen insbesondere auch soziale Konfliktsituati-
onen (etwa Attacken auf offizielle Sprachzeichen) im Fokus früher Arbeiten zur
LL.
16 Vgl. Landry/Bourhis, „Linguistic Landscape and Ethnolinguistic Vitality”, S. 26.
17 Adam Jaworski, Crispin Thurlow, „Introducing Semiotic Landscapes”, in: Dies. (Hg.),
Semiotic landscapes: Language, image, space. London 2010, S. 11.
18 Adam Jaworski, Crispin Thurlow, „Introducing Semiotic Landscapes”, S. 10.
19 Landry/Bourhis, „Linguistic Landscape and Ethnolinguistic Vitality”, S. 27.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Titel
- Bildspuren – Sprachspuren
- Untertitel
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Autoren
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Herausgeber
- Eva Tropper
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen