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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Linguistic Landscapes auf Postkarten | 67 Deutsch Schreibende ganz selbstverständlich slowenisch bedruckte Postkarten verwenden.62 Die generelle Asymmetrie in den Sprachenverteilungen ist also mit dem Be- fund zu kontrastieren, dass die Sprache der Aufdrucktexte in den meisten Fällen nicht als nationale Rahmung verstanden wurde. Damit ändert sich etwa auch die Einschätzung, wenn wir auf die eingangs erwähnten, ausschließlich deutsch be- druckten Postkarten von Pragersko/Pragerhof zurückkommen. Auf der Ebene der Mitteilungstexte findet sich nämlich eine auffallende sprachliche Vielfalt. Einige der Grüße sind auf Slowenisch verfasst, und auch andere Sprachen der plurilingu- alen Habsburgermonarchie finden sich auf den Ansichten dieses wichtigen Um- steigeorts auf der Linie der Südbahn.63 Es geht also wesentlich darum, die konkre- ten Spuren des Gebrauchs und der Verwendung von Postkarten in die Beurteilung des Verhältnisses der Aufdrucktexte miteinzubeziehen. Gleichermaßen zeigen Postkarten aber auch Zeichen von Konflikt. Haben sich LL-Studien bisher insbesondere mit dem Überschreiben von offiziellen Tafeln o- der Aufschriften im öffentlichen Raum befasst (also mit Attacken auf „govern- ment signs“),64 so ist dieses Phänomen im Zusammenhang mit Postkarten vor al- lem bei den privatwirtschaftlich hergestellten Aufschriften zu analysieren. Dies erscheint mir aus Sicht der LL als ein besonders interessanter Aspekt, der deutlich macht, wie wenig sinnvoll eine Trennung zwischen „government“ und „private signs“ ist. Denn Postkarten sind durch die öffentliche Sichtbarkeit von Ortsnamen relativ nahe an einer quasi-offiziellen Ebene, wie sie sonst nur von Orts- und Stra- ßenschildern repräsentiert wird. Entsprechend sind sie Ziel von Konflikten, wie sie sonst eher im Zusammenhang mit Zeichen staatlicher Autorität zu beobachten sind. Auf Postkarten wird das insbesondere durch Streichungen und Überschrei- bungen deutlich, mit denen Senderinnen und Sender zuweilen Ortsnamen symbo- lisch tilgten, weil sie deren Sprache nicht als legitim anerkennen wollten.65 Aber auch in öffentlich ausgetragenen, national motivierten Debatten um die Verwen- dung von Ortsnamen auf Postkarten wird die gesellschaftspolitische Sprengkraft 62 Vgl. z.B. https://gams.uni-graz.at/o:polos.2371. Der Schreibende vermerkt dabei in durchaus nicht feindseligem, sondern eher erklärendem Duktus, den slowenischen Orts- namen kommentierend: „zu deutsch Tüffer“. 63 https://gams.uni-graz.at/context:polos.location.slv.pragersko 64 Vgl. z.B. Rudi Janssens, „The linguistic landscape as a political arena: The case of the Brussels periphery in Belgium”, in: Christine Hélot et al. (Hg.), Linguistic Landscapes, multilingualism and social change, Frankfurt am Main 2012, S. 39-52. 65 Zu Streichungen von Postkartenaufdrucken vgl. auch den Beitrag von Karin Almasy in diesem Band.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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