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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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94 | Karin Almasy schaftliche Belastung, die einsetzende Teuerung und die (vor allem in den Städ- ten) sich immer mehr zuspitzende Lebensmittelknappheit. Dass die Schreiberin einen großen Teil ihrer Zeilen der Diskussion von Preisen und Lebensmitteln wid- met und von der Teuerung sogar „Kopfschmerzen“ bekommt, bestätigt die Situa- tion auf Makroebene, da der Lebensmittelmangel in der Steiermark bereits rasch nach Kriegsausbruch spürbar wurde. Konnte die Steiermark ihren Lebensmittel- bedarf schon in Friedenszeiten nur durch große Importe v.a. von Getreide aus Un- garn decken, verschärfte sich die Situation ab 1914. Nicht zufällig beschwert sich die Schreiberin ausgerechnet über die Mehlpreise – denn gerade in der Getreide- produktion bestand eine Abhängigkeit von Importen, weshalb im Laufe des Krie- ges die Kartoffel das Nahrungsmittel Nr. 1 in der Steiermark wurde, da man diese im größeren Ausmaß selbst anbauen konnte.21 Den restlichen Zeilenplatz widmet die Schreiberin gemeinsamen Freun- den/Verwandten, der Sorge, ob alle gesund sind, wer wo verblieben bzw. im Ein- satz ist, wer mit wem Kontakt hält. Abschließend richtet sie den Appell an ihre Kollegin, „immer brav der Hausherrin zu gehorchen“ (die Adressatin arbeitet im Hause eines „Oberlehrers“ [nadučitelj], wie man aus der Adressierung erfährt). Was also hat das Leben dieser Frau damals bestimmt? Sorgen um die Versor- gungssituation, Sorge um die Lieben; dennoch verläuft das Leben und die gesell- schaftliche Ordnung weiterhin in gewohnten Bahnen. Untersucht man größere Samples solcher Postkartentexte aus jener Zeit, verdichtet sich ein Bild des zivilen Lebens während des Krieges. VERKNÜPFUNG VON MIKRO- UND MAKRODATEN: ALPHABETISIERUNG & ARBEITSMIGRATION Ganz dem Ansatz der Mikrogeschichte folgend sollen Postkarten nicht zum Selbstzweck der lokalen Ebene verhaftet bleiben – ganz im Gegenteil: Im Kleinen soll sich das Große widerspiegeln und besser begreifbar werden. Postkarten kön- nen beispielsweise mit Makrodaten (z. B. statistischen Daten wie Volkszählungs- ergebnissen) kontrastiert und in Beziehung gesetzt werden. ‚Nackten‘ Zahlen und trockenen Statistiken kann so durch Postkartengeschichten ein Gesicht gegeben und große strukturelle Verhältnisse können mit kleinen Mikrogeschichten lebhaf- ter illustriert bzw. große generell getroffene Aussagen einer Überprüfung auf Mik- roebene unterzogen werden. Anschaulich illustriert sei dies nun anhand des letzten Beispiels aus dem Themenkomplex Bildung, Schulwesen und Alphabetisierung 21 Moll, Die Steiermark, S. 85 und 92.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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