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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Der Quellenwert handschriftlicher Spuren auf Postkarten | 95 um die Jahrhundertwende. Eine einzelne Postkarte wird hierzu in ihrer ganzen Vielschichtigkeit in Beziehung zu Volkszählungsergebnissen gesetzt. In einem langen, mühseligen Prozess gegen Ende des 19. Jahrhunderts hielt die Schule endlich Einzug in jedes kleine Dorf und die Lesefähigkeit der Bevöl- kerung stieg rapide an. Natürlich geschah dieser Prozess nicht über Nacht und nicht gleichmäßig. Lange Zeit gab es noch große Unterschiede in den Alphabeti- sierungsraten zwischen Stadt und Land, zwischen den Geschlechtern und zwi- schen den einzelnen Kronländern der Monarchie. In der Steiermark konnten 1900 aber bereits 85% der Männer und 80% der Frauen über sechs Jahren lesen und schreiben.22 Wie man sich eine solche rudimentäre Bildung und Schreibfähigkeit vorstellen kann, wird an der folgenden Postkarte sichtbar. Geschickt wurde sie von einer gewissen Ana Ban an ihre Schwester Cilika in die „Alserštrase N. 17 | B. VIII Kuhinja | in Vien“, also in die Küche der Alser Strasse 17 im VIII. Wiener Gemeindebezirk: 22 K.k. statistische Central-Commission, Oesterreichische Statistik. Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. December 1900, Wien 1902, XLVI. [Adressseite:] „Preljuba mi Sestra! | V začetku mojega | pisanja te naj poprei | lepo pozdravim in | želim vse dobro. Pišen | te ko sa moja gspodinja | bili 1. mesec v graci | špitali. Sen bila sama | doma, a tebi luba sestra | pa tudi lepa zahwalin | za brif in karto kasimi | pisala za moje gadovno. | Želimti gverati čese kar | živa in zdrava. Nezamerimi | kanisi dabila odgovara | prei nimi bilo mogoče. [Bildseite:] vkratkim | tibon pisala | nekaj novega. prosim za od | govor. Piše Ana | Ban zbogom“ [Übersetzung: 'Allerliebste Schwester! Am Beginn meines Schreibens grüße ich dich zuerst schön und wünsche dir alles Gute. Ich schreibe dir, weil meine Hausfrau einen Monat in Graz im Spital war. Ich war allein zuhause. Dir aber, liebe Schwester, danke ich für den Brief und die Karte, die du mir zum Na- menstag geschickt hast. Ich will dich fragen [?], ob du wohl gesund und munter bist. Nimm es mir nicht übel, dass du keine Antwort bekommen hast, es war mir nicht möglich eher zu schreiben. [Bildseite:] Bald werde ich dir etwas Neues schreiben. Ich bitte um Antwort. Es schreibt Ana Ban Mit Gott']
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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