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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Seite - 162 -
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162 katharina hranitzky (Cod. 378) ist vielleicht der Umstand zu werten, dass in den Kreisringen beider Bände dieselbe Schreibweise für die aus Südwest blasenden Winde zu finden ist (siehe Anm. 46).55 Einordnung der Handschrift in Lyon Vier der insgesamt fünf bekannten vollständigen Exemplare des Compendiums vom „Typ Baumgartenberg“ sind mit hoher Wahrscheinlichkeit jeweils dort ent- standen, wo sie im Mittelalter aufbewahrt wurden, also in Baumgartenberg, Hei- ligenkreuz, Aldersbach und Klosterneuburg. Die Frage nach der Herkunft des fünften Bands, des Lyoner Ms. 445, war hingegen bislang ungeklärt.56 Wie sich herausstellt, kann dieser Codex jedoch aufgrund stilistischer Kriterien einigerma- ßen zuverlässig lokalisiert werden. Seine Initialen wurden augenscheinlich von demselben Buchmaler ausgeführt wie die Zierlettern der Handschrift CSF XI 157 der Stiftsbibliothek St. Florian, die einen um 1300 zu datierenden Besitzvermerk dieses Augustiner-Chorherrenstifts enthält.57 Es entsprechen einander in beiden Codices die Palmetten mit langen Blattlappen und kleinem Binnenkreis, in die die verschlungenen Ranken der Initialen münden; die Bogenformen an den Schaften- den, die ebenfalls teilweise durch Kreise ergänzt sind; die gebogten Blattformen in den Bögen der Buchstaben; die gerippten Ränder der Spangen, die die gespaltenen Buchstabenkörper zusammenhalten; die markanten Tropfenmotive im Binnenfeld mancher Zierlettern; schließlich die mehrfarbigen Hintergründe.58 Aufgrund der Provenienzhinweise in CSF XI 157 kann, bei aller gebotenen Vorsicht, für Lyon, Ms. 445 vorläufig eine Entstehung in St. Florian angenommen werden, in einem Stift also, das nur wenige Kilometer von Baumgartenberg entfernt liegt.59 55 Im Übrigen zeigt sich, dass man im 14. Jahrhundert zwar bemüht war, die Darstellun- gen bildlich zu erneuern, die Texte aber meistens weitgehend wortgetreu kopierte (siehe auch Raff, Windpersonifikationen [zit. Anm. 2], S. 152). Somit wurden auch die Fehler in der Beschriftung des Kosmosbildes jeweils abgeschrieben. Allerdings wurde auf dem Einzelblatt das Wort Quinque in der Umschrift (siehe Anm. 20) durch qui und die Abkürzung qʒ ersetzt (bei Holcomb [zit. Anm. 2], S. 118 als „quia quae“ transkribiert bei Hranitzky, Diplomarbeit [zit. Anm. 3], S. 109, Anm. 66 die Lesart „qui quoque“ vor- geschlagen, vgl. Cesare Paoli: Die Abkuerzungen in der lateinischen Schrift des Mittel- alters. Ein methodisch-praktischer Versuch. Innsbruck 1892, S. 30, siehe unter: https:// archive.org/details/dieabkuerzungen00paolgoog). 56 Der Einband des Lyoner Ms. 445 wurde im 19. oder 20. Jahrhundert erneuert, und der neuzeitliche Besitzvermerk Detho Hohenfelders auf der ersten Seite der Handschrift, der immerhin auf einen Vorbesitzer aus dem deutschsprachigen Raum hindeutet, kann vor- läufig mit keiner bekannten Person in Zusammenhang gebracht werden. 57 Siehe Kurt Holter: Bibliothek und Archiv: Handschriften und Inkunabeln. In: Die Kunstsammlungen des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Florian. Wien 1988 (Österrei- chische Kunsttopographie 48), S. 29–92, hier S. 31, 70; Abb. 86. 58 Die besondere Form der Parzellierung der Außengründe der Initialen könnte der Illumi- nator des Ms. 445 aus dem Linzer Codex übernommen haben. 59 In der St. Florianer Stiftsbibliothek hat sich mit dem CSF XI 216 noch ein älteres Exem- plar des mit der Historia scholastica kombinierten Compendiums erhalten; zur Hand- schrift (bei Piggin, Peter’s Stemma [zit. Anm. 6] nicht angeführt) siehe die unter http:// manuscripta.at/?ID=27884 angegebene Literatur; siehe auch Anm. 43.
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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