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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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170 EVElyn thErEsia kuBina 291: Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Urk. 1285 IV 03 (Abb. 7), 1286 XII 24−4 (Abb. 8), 1287 X 13−1. Die Gemeinsamkeiten bei der Ausführung des Motivs reichen von dessen Position im Verband des Linienwerks bis hin zu Details, zu denen die dünne Nase, der leicht geöffnete Mund oder der schräg schraffierte Bart zählen. Abgesehen von diesem charakteristischen Merkmal stimmen auch die anderen Gestaltungsele- mente und deren Anordnung sowie der Gesamteindruck der Fleuronnée-Initialen der Urkunden mit jenen der zwei Codices überein. Erwähnt seien etwa die Motiv- kombinationen aus Spiralen, Knospen und Palmettenblättern an der Biegung von Linien (vgl. Abb. 9 und 3) oder die symmetrisch arrangierten Ausläufer und Spiral- fäden, die die mit Dornen versehenen Palmetten, Knospen und Knospenpyramiden (vgl. Abb. 10 und 2) flankieren können.13 Abgesehen von den genannten Urkunden existieren noch zwei weitere Rechts- dokumente mit Fleuronnée-Initialen, deren Stil sich zwar weitgehend mit dem oben beschriebenen deckt, jedoch auch geringe motivische Abweichungen von diesem erkennen lässt. Eine der betreffenden Urkunden befindet sich ebenfalls im Archiv von Heiligenkreuz (Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Urk. 1275 IV 11, Abb. 11)14. Das zweite Schriftstück, am 15. September 1273 in Wien in domo nostra, also im Heiligenkreuzer Hof, verfasst, um einen Streit von Abt Heinrich und dem Kon- vent von Heiligenkreuz mit Abt Gerung und dem Konvent von Melk beizulegen,15 liegt in Melk (Melk, Stiftsarchiv, Urk. 1273 IX 15). Zusätzlich zu den bereits be- kannten Einzelformen kennzeichnet das Besatz-Fleuronnée der Anfangsbuchsta- ben dieser Urkunden die Verwendung kleiner Pyramiden aus Haarnadelfäden.16 Vergleicht man jedoch den Zickzackkurs der Ausläufer auf der Urkunde vom 11. April 1275 (Abb. 11) mit einer Fleuronnée-Initiale ohne Fadenpyramiden auf einem Schriftstück vom 3. April 1275 (Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Urk. 1275 IV 03.1, Abb. 12)17, wird deutlich, dass trotz des zusätzlichen Motivs eine stilistische Verwandtschaft zur Fleuronnée-Gruppe gegeben ist. Möglicherweise hängen die genannten motivischen Abweichungen mit der frühen Entstehungszeit dieser Ini- tialen und der sich in den folgenden Jahren vollziehenden Weiterentwicklung des Fleuronnée-Stils zusammen. Dafür könnten beispielsweise auch die offensichtli- chen Unsicherheiten bei der Ausführung des Linienwerks sprechen, die bei der zuletzt zum Vergleich herangezogenen Urkunde festzustellen sind. So werden die 13 Unterschiede lassen sich nur hinsichtlich der Verwendung von Farbe feststellen, denn während die Fleuronnée-Initialen der Handschriften in Rot und Blau ausgeführt wur- den, kommen die der Urkunden wie gewöhnlich ohne Farbe aus. Siehe dazu auch Ro- land / Zajic, Illuminierte Urkunden (zit. Anm. 2), S. 307. 14 Zur Urkunde: Johann Nepomuk Weis: Urkunden des Cistercienser-Stiftes Heiligen- kreuz im Wienerwalde. I. Theil Wien 1856 (Fontes rerum Austriacum II/11), S. 195 f. (Nr. 212). 15 Gerhard Winner / Paul Herold: Die Urkunden des Benediktinerstiftes Melk. 2 Bde., Wien 2001, Nr. 77. − Zum Hintergrund der Rechtssache siehe Ignaz Franz Keiblinger: Geschichte des Benedictiner-Stiftes Melk in Niederösterreich, seiner Besitzungen und Umgebungen. 1. Bd.: Geschichte des Stiftes. Wien 1851, S. 362. 16 Diese Fadenpyramiden weist auch die Fleuronnée-Initiale einer Heiligenkreuzer Urkun- de vom 3. April 1275 auf, die sich von der hier behandelten Fleuronnée-Gruppe aber auf- grund ihrer eng geführten, gestrichelten Haarnadelfäden unterscheidet (Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Urk. 1275 IV 03). 17 Zur Urkunde: Weis, Urkunden (zit. Anm. 14), S. 194 f. (Nr. 211). Abb. 5: wie Abb. 1, fol. 114v Abb. 6: Sermones-Handschrift. Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek, Cod. 291, fol. 169v Abb. 7: Urkunde 1285 IV 03. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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