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WAS BITS UND BÄUME VERBINDET - Digitalisierung nachhaltig gestalten
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zienz,­ Suffizienz,­ Konsistenz­ herausgearbeitet.­ Das­ technikkonzentrierte­ Prinzip­ der­ Effizienz­ etablierte­ sich schnell zum zentralen und politisch allseits an- erkannten Instrument der Einsparung von Energie und Ressourcen. Damit war die Hoffnung verbunden, den­ ‹Way­ of­ Life›­ beibehalten­ zu­ können,­ denn­ durch­ neue ‹grüne› Technologien sollten Chancen für weite res Wirtschaftswachstum ent- stehen. Ende der 1990er- Jahre wurde deutlich, dass die Effizienzstrate­ gie­ nicht­ aus- reicht, um die für eine nach- haltige Entwicklung nötigen Einsparziele zu erreichen, insbesondere wegen des Re- boundeffekts. Der Gedanke der­ Suffizienz­ kam­ stärker­ in­ die öffentliche Debatte. In- zwischen­ ist­ die­ Einsicht­ gewachsen,­ dass­ Suffizienz­ notwendig ist – nicht nur durch ein geändertes indivi- duelles Verhalten, sondern auch durch andere gesell- schaftliche Rahmenbedingungen. DIGITALE SUFFIZIENZ – DAS RICHTIGE MASS FINDEN Wie lässt sich nun der allgemeine Gedanke der Suf- fizienz­ in­ den­ Bereich­ der­ Digitalisierung­ übertra- gen?­ Das­ Prinzip­ der­ digitalen­ Suffizienz­ wird­ von­ dem Motto geleitet: ‹So viel Digitalisierung wie nötig, so wenig wie möglich›. Es soll dazu dienen, die nicht nachhalti gen Auswüchse einer ressourcenintensiven Digitalisierung­ (zu)­ vieler­ Lebens-­ und­ Wirtschafts- bereiche einzudämmen, möglichen Reboundeffekten von­ digi­ talen­ Effizienzsteigerungen­ entgegenzuwir- ken und stattdessen die positiven ökologischen Po- tenziale der Digitalisierung zu aktivieren. Insofern geht­ es­ –­ wie­ bei­ Suffizienz­ im­ Allgemeinen­ –­ nicht­ um einen auf opfernden ‹Verzicht› oder eine Ein- schränkung um jeden Preis, sondern um das rechte Maß, zum Beispiel um eine sinnvolle Anzahl digitaler Geräte in Haushalten, Unternehmen und öffentlicher Infrastruktur.­ Das­ Ziel­ ist,­ dass­ digitale­ Suffizienz­ insgesamt zu einer deutlichen Reduktion der globa- len Ressourcen- und Energie verbräuche und einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt. Das Prinzip der digitalen­ Suffi­ zienz­ wurde­ erstmals­ im­ Buch­ ‹Smarte­ grüne Welt›3­ definiert­ und­ mit­ den­ folgenden­ drei­ Prinzipien inhaltlich gefüllt: Technik-, Daten- und Nutzungssuffizienz.­ Wir­ haben­ ‹ökonomische­ Suffi- zienz› als viertes Prinzip hinzugefügt. (1) Techniksuffizienz­ zielt­ darauf­ ab,­ Informations-­ und­ Kommunikationssysteme­ so­ zu­ konzipieren,­ dass­ nur wenige Geräte nötig sind und diese selten erneuert werden­ müssen.­ Zunächst­ bedeutet­ Techniksuffizienz,­ sich um eine sozial und ökologisch nachhaltige Herstel- lung aller Geräte und Infrastrukturkomponenten (zum Beispiel Rechenzentren) zu bemühen. Sogenannte Kon- fliktrohstoffe,­ deren­ Einsatz­ mit­ sozialen­ und­ ökologi- schen­ Problemen­ verbunden­ ist,­ müssen­ systematisch­ aus der Produktion verbannt werden. Ökologisch be- sonders umstrittene Stoffe und Produktionsverfahren müssen nach Möglichkeit substituiert werden. Ferner ist es wichtig, sowohl bei Hard- als auch bei Software- entwicklung auf eine lange Nutzungsdauer zu achten, ebenso wie auf Reparierbarkeit und modulare Erweiter- barkeit von Geräten. Geplante Obsoleszenz darf es nicht geben. Auch Software muss ‹reparierbar› und langfris- tig nutzbar sein, wie es die Open-Source-Software be- reits vormacht (siehe auch den Beitrag zu den Forderun- gen der ‹Bits & Bäume› Konferenz). (2) Datensuffizienz­ bezieht­ sich­ auf­ das­ Design­ digi taler Anwendungen. Mehr Datenverkehr erfor- dert mehr Serverkapazitäten und IT-Infrastruktur – und im Allgemeinen auch mehr Stromverbrauch. Software wird über die Jahre oft so weiterentwickelt, dass sie zunehmenden Datenverkehr hervorruft. Daten­ suffizienz­ bringt­ auch­ die­ zentrale­ Frage­ in­ die­ öffent liche Debatte: Wie viel permanente Vernetzung und Datenverkehr ist wirklich nötig, um bestimmte gesellschaftliche und ökologische Ziele zu erreichen? Jede­ Diskussion­ über­ Smart­ City,­ Smart­ Home,­ Smart­ Mobility­ oder­ das­ Internet­ der­ Dinge­ sollte­ stets­ mit­ dieser kritischen Frage beginnen. (3) Nutzungssuffizienz­ trägt­ der­ Tatsache­ Rech- nung, dass Nachhaltigkeitsziele nicht durch smarte Technologien allein erreicht werden können. Auch ein Umdenken und veränderte Verhaltensmuster der Nut- zer*innen sind gefragt. Wenn das Smartphone kaputt- geht, können Nutzer*innen versuchen, es zu reparieren, anstatt sich sofort ein neues Gerät zu kaufen – sofern ein­ techniksuffizientes­ Design­ der­ Geräte­ dies­ zulässt.­ Wenn im Internet Kleidung, technische Geräte oder Möbel auch gebraucht statt neu gekauft werden, bedarf es dafür dennoch der individuellen Bereitschaft. Und auch­ wenn­ smarte­ Netze­ ein­ dezentrales­ Energiesystem­ technisch möglich machen, so fußt die Energiewende doch auf lokalen Initiativen und engagierten Men- ///<quote> Die digitale Suffizienz wird mit drei Prinzipien inhaltlich gefüllt: Technik-, Daten- und Nutzungs- suffizienz. Wir haben ‹ökonomische Suffizienz› hinzu- gefügt. ///</quote> ///113 1 1 1 0 0 0 1
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WAS BITS UND BÄUME VERBINDET Digitalisierung nachhaltig gestalten
Titel
WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Untertitel
Digitalisierung nachhaltig gestalten
Autor
Anja Höfner
Herausgeber
Vivian Frick
Verlag
oekom verlag
Ort
München
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-SA 3.0
ISBN
978-3-96238-149-3
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
152
Schlagwörter
Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
Kategorien
Informatik
Technik
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