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nach Maßgabe hinreichender Verhältnismäßigkeit können daher, im Sin-
ne des Allgemeinwohls, einschränkende Regelungen der Mitgliedstaaten
betreffend Unionsbürgerfreiheiten und Diskriminierungsschutz gerecht-
fertigt sein.
Den verfassungsrechtlich garantierten Grundrechten ist wesenstypisch
die Intention eines Ausgleichs zwischen Gemeinschafts- und Individualin-
teressen inhärent. Wichtige öffentliche Interessen, wie die Aufrechterhal-
tung der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit, sind damit
grundsätzlich geeignet, soweit tauglich, adäquat und sachlich gerechtfer-
tigt, Eingriffe in die in Rede stehenden Grund- und Freiheitsrechte zu
rechtfertigen.
Aus universitätsrechtlicher Sicht kann der Determinierungsgrad für die
einschlägigen ministeriellen Verordnungen, mit Hinblick auf die diesbe-
zügliche Regelungssystematik des UG, als materiebezogen ausreichend ge-
wertet werden.
Betreffend ministerielle Verordnungskompetenzen in Universitätsbelan-
gen spricht einiges – auch vor dem Hintergrund spezifischer Allgemeinin-
teressen – dafür, die gegenständlichen Durchführungsverordnungen –
auch ohne ausdrückliche Ermächtigung im UG – als mit der universitären
Autonomie kompatibel zu qualifizieren.
Da die Wissenschaftsfreiheit kein absolut garantiertes Grundrecht ist,
sind Beschränkungen, soweit sie wesentlich nicht intentional auf die Be-
schneidung der Forschungs- und Lehrfreiheit hinzielen, zur Sicherung an-
derer verfassungsrechtlich festgeschriebener Rechte grundsätzlich zulässig.
Eine Beschränkung bestimmter im Rahmen der Lernfreiheit vorgesehe-
ner Studierendenrechte ist im Sinne überwiegender Allgemeininteressen
verhältnismäßig leichter begründbar, da diese nicht im Verfassungsrang
zugesichert ist.
Unter den hier in Betracht gezogenen Aspekten können, bei Bedacht-
nahme auf den rechtlichen Rahmen und die gegebene Ausgangssituation,
im Ergebnis die in Rede stehenden COVID-19-Maßnahmen als rechtfertig-
bar eingestuft werden.
Unions-, verfassungs- und universitätsrechtliche Aspekte zu „Corona-Maßnahmen“
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik