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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Seite - 187 -
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im Kraftfeld der jeweiligen Macht bewegen, d. h. sich die eigentlich ein- schränkenden Maßnahmen zu eigen machen, so dass es kaum zu einem Machtkampf kommt.11 Die Wertschätzung des Staates korrespondiert mit einer doppelten Ab- grenzung. Zum einen zeigt sich in der Bevölkerung eine Skepsis gegen- über inter- und supranationalen Einrichtungen wie den Vereinten Natio- nen oder der Europäischen Union. Ihnen scheint es an Handlungskompe- tenzen wie an Wissen um die lokalen Verhältnisse zu fehlen. Zum anderen wird den Mechanismen der Marktwirtschaft wenig Vertrauen entgegenge- bracht, die Krise zu bewältigen. Insbesondere wird eine deutliche Kritik am Trend zur Kommerzialisierung von Krankenhäusern geübt. In Krisen- zeiten, so kann man diese Tendenzen zusammenfassen, sehnen sich viele nach einer sichtbaren Hand, und diese wird primär beim Staat gesehen und eben nicht in den Marktmechanismen, für die seit Adam Smith das Bild der invisible hand steht.12 Wenn die staatlichen Organe gut funktionieren und akute Herausforde- rungen meistern, wirft dies meist auch ein gutes Licht auf die führenden Politiker, die den Staat repräsentieren. Einige nutzen diese Chance, sich zu profilieren, und erleben aktuell eine Sternstunde. Sie verkörpern Verant- wortungsbewusstsein, Sorge und Entschlossenheit. Sie treffen den richti- gen Ton und verbinden Ernsthaftigkeit mit Empathie. Sie verkünden harte Einschränkungen und erfahren nicht trotzdem, sondern deswegen eine hohe Zustimmung. Dies lässt sich transaktionsanalytisch rekonstruieren.13 Regieren ist eine asymmetrische Sozialbeziehung. Regieren heißt immer auch, Vorschriften zu erlassen, Anweisungen zu erteilen und Verbote auszusprechen. Regie- rende erscheinen in solchen Kommunikationssituation in der Rolle des kritischen Eltern-Ichs. Sie geben Regeln vor und beurteilen ihre Einhal- tung. Notsituationen hingegen bieten die günstige Gelegenheit, die Rolle des kritischen durch die Rolle des fürsorglichen Eltern-Ichs zu ergänzen. Die Einschränkungen sind schließlich Schutzmaßnahmen. Hinzu kom- men vielfältige Unterstützungsleistungen, die anders als Wahlgeschenke nicht Zustimmung kaufen bzw. belohnen sollen, sondern eine aufrichtige Sorge um die Betroffenen signalisieren. Noch eine dritte Akteursgruppe ist besonders zu erwähnen: die Virolo- gen. Sie nehmen eine doppelte Rolle wahr. Zum einen agieren sie als He- 11 Vgl. Foucault, Analytik der Macht, 171, 230f. 12 Vgl. Luhmann, Die Wirtschaft der Gesellschaft, 164. 13 Vgl. Berne, Spiele der Erwachsenen. Einfache und vertrackte Probleme 187 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
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