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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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frühmodernen merkantilistischen Verwaltungs- und Wirtschaftsstaat, in den Policeywissenschaften als einer Frühform biopolitischer Rationalität konkretisierten: Die Polizei ist die Gesamtheit der Interventionen und Mittel, die si- cherstellen, dass das Leben, das Etwas-mehr-als-nur-leben, das Zusam- menleben tatsächlich zur Bildung und Steigerung der Kräfte des Staa- tes nützlich sein wird. Wir haben also mit der Polizei einen Kreis, der im Ausgang vom Staat als rationale und berechnete Interventions- macht über die Individuen zum Staat als Gesamtheit wachsender oder zu steigernder Kräfte zurückkehrt. Aber wodurch wird dieser Kreis hindurchgehen? […] Der Kreis wird durch das Leben der Individuen hindurchgehen, aber wird auch durch ihr Etwas-mehr-als-nur-leben hindurchgehen, durch ihr Mehr-als-leben hindurchgehen, d.h. durch das, was man zu jener Zeit die Bequemlichkeit der Menschen, ihre An- nehmlichkeit, oder auch ihre Glückseligkeit nennt […] aus dem Glück der Menschen soll der Nutzen für den Staat entstehen […] Man findet beispielsweise bei Delamare die Behauptung, dass der einzige Gegen- stand der Polizei ‚darin besteht, den Menschen zur vollkommensten Glückseligkeit zu führen, die er in diesem Leben genießen kann‘ […]. Alles, was von der bloßen Existenz zum Wohlbefinden [orig. bien-être] führt, alles, was zur Herstellung dieses Wohlbefindens über die bloße Existenz hinaus dient, und zwar auf solche Art und Weise, dass das Wohl der Individuen die Kraft des Staates ist, das scheint mir das Ziel der Polizei zu sein.27 Neben der bevölkerungsorientierten verwaltungstechnischen Seite, der Po- licey, ist die zweite, gewissermaßen subjektiv-individuelle Seite der Biopo- litik, die Minderung des Leidens und die Steigerung des individuellen Wohlbefindens (bien-être), heute oft in die Begriffe Well-being oder Lebens- qualität gefasst. Dieses „höchste Gut“ (das summum bonum) des gouverne- mentalen Staates ist etwas völlig anderes als jenes in der alten metaphysi- schen Tradition angestrebte, wie Foucault anmerkt: „Das ‚Gut‘, das in der Definition der Regierung beim Hl. Thomas gemeint war (man soll es so einrichten, dass die Menschen sich wohl verhalten, um Zugang zum höchsten Gut zu erlangen), ändert seinen Sinn vollständig“28. Heute wäre wohl „bio-psycho-soziales Wohlbefinden“ (analog zur Gesundheitsdefiniti- 27 Foucault, Sicherheit, 469f. U.a. hier wird deutlich, dass als „Leben“ in der Biopo- litik Foucaults kein „nacktes Leben“ verstanden wird, wie zuweilen behauptet. 28 Foucault, Sicherheit, 472. Willibald J. Stronegger 220 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
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