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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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meine Wohlfahrt, belasten und beeinträchtigen? Diese logische Folgefrage stellt sich unmittelbar nach Etablierung von biopolitischen Sorgetechni- ken, wie jenen in Form der Sozialhygiene, und unmittelbar entwickelt sich auch ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein neuer Diskurs im Be- reich der Medizin und Hygiene: die Ergänzung der Sozialhygiene durch die im deutschsprachigen Raum sogenannte Rassenhygiene (in den angel- sächsischen Ländern als Eugenik bezeichnet). Ein bedeutender Proponent der Kombination beider Techniken war der Inhaber des ersten Lehrstuhls für Sozialhygiene in Deutschland, der Arzt Alfred Grotjahn. Im Jahr 1912 erschien sein Hauptwerk Soziale Pathologie, in dem er sowohl sozialhygienischen Ideen von der sozialen Ätiologie der Krankheiten folgt als auch rassenhygienischen Ideen, sofern sie dem obers- ten Ziel der Herstellung einer gesunden Gesellschaft, bestehend aus „mus- kelstarken, breitschulterigen, organgesunden Starken und Rüstigen“59, die- nen. Aufgrund von Krankheitsstatistiken hielt er ungefähr ein Drittel der Bevölkerung für gesundheitlich „minderwertig“ und die vorgeschlagenen Lösungen beruhten, seinen beiden komplementären Ansätzen entspre- chend, auf der Unterscheidung von a) umweltbedingten Krankheiten – es geht darum, gesellschaftliche Be- dingungen zu bessern (Sozialhygiene) – und b) anlagebedingten Krankheiten – rassenhygienische Maßnahmen, um „körperlich Minderwertige und Schwächlinge“ zu verhindern. Als Lösung für die vorhandenen „geistig Minderwertigen, die als Irre, Ge- wohnheitsverbrecher, unheilbare Trunkenbolde und überhaupt unverbes- serliche Psychopathen ohnehin aus der Bevölkerung ausgeschieden wer- den müssen“, schlägt er die „planmäßige Ausmerzung durch Verwahrung und Zwangsunfruchtbarmachung“ vor, wofür die „dauernde Asylierung“ „ein humanes und wirksames Mittel“ sei.60 „Sterbenmachen“: Die „Regeneration“ der Bevölkerung durch ihre Auslieferung an Todesrisiken wie Pandemien Grotjahn charakterisiert paradigmatisch die biopolitische Doppelstrategie von Sorge, d.  h. Förderung der Förderungswürdigen, bei gleichzeitiger Ab- trennung der Nicht-Förderungswürdigen. Wenn die letztere Gruppe eine 3.3 59 Grotjahn, Hygiene, 185f. 60 Grotjahn, Hygiene, 200. Zwischen übersteigerter und fehlender Solidarität 229 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
Coronavirus
Medizin
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