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vier Wände – und wird dort vielfach mit Hilfe des Internets am Laufen ge-
halten.“16 Deeg spricht von einer „Home-Religion“, die mit einer immen-
sen Steigerungsrate entsprechender Vollzüge im digitalen Raum einherge-
he. Tatsächlich wurde schon enorme Kreativität aufgewendet, um mittels
unterschiedlichster Angebote und Formate, z. B. YouTube-Videos, Live-
Streams, Audio-Podcasts, Chat-Rooms u. Ä., Gottesdienst- und Gebetsnetz-
werke zu knüpfen sowie Seelsorge zu ermöglichen17 – und das keineswegs
nur in christlichen Zusammenhängen. Auch z. B. jüdische und Moschee-
gemeinden haben aufgrund der Unmöglichkeit, sich wie üblich zu Gebet
und Gottesdienst zu versammeln, ein entsprechendes Repertoire ent-
wickelt.18 Vorbehaltlich einer genaueren Reflexion auf diese Phänomene
lässt sich einerseits mit Deeg formulieren:
All diese Angebote bieten eine große Chance: Sie ermöglichen einen
niederschwelligen Zugang für Interessierte. Jede und jeder kann via In-
ternet sehen, was verschiedene Religionen und Konfessionen derzeit
sagen und anbieten. Gleichzeitig werden viele aktiv, die bislang in den
kirchlichen Kontexten mit ihren Erfahrungen weniger zum Zug ka-
men – vor allem junge Menschen und all die sogenannten ‚Laien‘.
Aber viele neue Formate zeigen auch, dass es theoretisch und praktisch
noch einiges zu entwickeln gibt.19
Insofern handelt es sich andererseits ebenso um ein „Experiment mit offe-
nem Ausgang“20, so Isolde Karle. Auch sie nimmt die Chancen dieser ver-
mehrten Aktivierung digitalisierter, religiöser Kommunikationsformen
wahr, gibt aber zu bedenken, dass die Folgen des kirchlichen Shutdowns
keinesfalls schönzureden oder zu verharmlosen seien: An Karfreitag und
16 Huster, Kreativität.
17 Vgl. auch Gerhards et al., Virtualität und Realität.
18 Vgl. u. a. die „Bekanntgabe des Z[entralrats der]M[uslime in]D[eutschland]: Frei-
tagsgebet wegen Coronavirus aussetzen“, unter: http://www.zentralrat.de/32058.p
hp [05.04.2020]. Das einschlägige Informationsschreiben des Präsidenten des
Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, findet sich unter:
https://www.zentralratderjuden.de/aktuelle-meldung/artikel/news/corona-virus-co
vid-19/ [05.04.2020]. Spannend auch, welche digitalen Angebote der Zentralrat
der Juden in Deutschland bzw. der ZMD zusammengestellt haben. Vgl. dazu:
https://www.zentralratderjuden.de/aktuelle-meldung/artikel/news/religioese-onlin
e-angbeote/ bzw. http://islam.de/32075 [05.04.2020].
19 Huster, Kreativität. Deeg selbst sieht deutlich die Grenzen digitaler Formate. Et-
wa im Blick auf die Feier des Abendmahls hält er die leibliche Kopräsenz der Be-
teiligten für unbedingt geboten.
20 Karle, Experiment. Gottesdienst und rituelles Handeln in der Pandemie-Krise
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik